Donnerstag, 21. August 2008, 23:35:00 Uhr, NZZ Online
Urs Bühler
Ausgesetzt im Kreisssaal einer fremden Stadt. Beigesetzt in einem namenlosen Buchenhain. Dazwischen vielleicht in einem Dreivierteljahrhundert geblättert, ein bisschen rumgezappt zwischen TV- und Abwasserkanälen sowie anderen Kloaken und ein paarmal die Unterwäsche gewechselt, um die Erinnerung daran zu zerstreuen. Und tausendmal den Ärger unterdrückt über schmatzende Sitznachbarn im Kinosaal, über abgestandenen Kabelsalat, über zur Unzeit pünktliche Züge oder über abgebrochene Schlüsselbärte. Und tausendundeinmal die Freude darüber gespürt, dass alles nur halb so schlimm ist. Und Nächte durchstritten mit zarten Wesen von einem anderen Stern, die behaupten, Zweitagebärte seien Schmirgelpapier für ihre Haut, und an Jahrestagen zur Abwechslung bunte Hütchen übergestülpt. Und fremde Anrufbeantworter mit existenzialistischen Fragen genervt und sich ab und zu in gemachte Betten gelegt und dabei jedes Mal ein Stückchen Verstandes verloren. Und sich jeden Morgen von neuem gefragt, wie der gute alte Mond da oben das alles so geduldig mit ansehen kann.
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