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  • 8. Oktober 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Überzogen und hysterisch

    Überzogen und hysterisch

    Reaktionen nach dem Dopingfall Stefan Schumacher

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    K. Bl. Es war ein Versprechen von Schwabe zu Schwabe. Nachdem Harald Schmidt in seiner Late-Night-Show mit seinem Gast Stefan Schumacher nicht nur über das berufsmässige Radfahren, sondern vor allem über den gemeinsamen Kindergarten in Nürtingen geplaudert hatte, versprach er fröhlich: «Bis auf bald – in dieser Sendung». Von wegen. Seit Dienstag gilt der 27-jährige Rad-Professional bei der ARD – aber auch beim ZDF – als Persona non grata. Weil sich das Aushängeschild des Teams Gerolsteiner auf der Tour de France 2008 des EPO-Nachfolgers Cera bedient haben soll, planen die öffentlichrechtlichen Sendeanstalten jetzt schon, dem deutschen TV-Publikum 2009 (!) die Rundfahrt durch ganz Frankreich vorzuenthalten.

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    Überzogen? Ob des Dopings überführte Radfahrer, wie Patrik Sinkewitz, oder Politiker und Sportfunktionäre – sie alle geisseln nach Schumachers jüngstem Sündenfall den Radsport in einer Weise, die alles, was nach Jan Ullrichs Tour-Ausschluss 2006 in deutschen Landen geschehen ist, in den Schatten stellt. Während Sinkewitz Schumachers Chef Hans-Michael Holczer «Betriebsblindheit» vorwirft, fordert der frühere SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping, neben einer zweijährigen Sperre, sogar von Schumacher «Geldstrafen und Schadenersatz». Als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) hatte Scharping an der Weltmeisterschaft 2007 in Stuttgart noch vehement den Start des späteren WM-Dritten gefordert – trotz überhöhtem Hämatokritwert.

    Ein anderer früherer Politiker, Nordrhein-Westfalens einstiger stellvertretender Landeschef Michael Vesper von den Grünen, verlangt als Generalsekretär des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Schumacher nachträglich aus dem Pekinger Olympia-Team zu verbannen. Gewissermassen unehrenhaft. Was seinen Präsidenten Thomas Bach, zugleich IOK-Vizepräsident, aufgeregt fragen lässt, ob man dem olympischen Radsport nicht eine Denkpause verordnen sollte. Warum? Der Pekinger Dopingfall trug den Namen Isabel Moreno, nicht Schumacher.

    Cui bono? Wohl auch den handelnden Politikern, die bei so viel gebündelter Hysterie nicht abseitsstehen können. Peter Dankert (SPD) fordert als Vorsitzender des Sportausschusses im Bundestag, dem Radsport die öffentlichen Gelder zu sperren. Auf dass es fürderhin, wie schon 2008, für die deutschen Meisterschaften der Mountainbiker oder die Rennen der deutschen Spitzenamateure – aus Geldmangel – keine Dopingkontrollen geben wird.

     


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