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  • 5. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Polnisches Berlin

    Polnisches Berlin

    Polnisches Berlin

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    Qet. «Berlin lebt!», schreibt Aleksander Rogalski 1946, «es lebt fast so, als ob nichts passiert wäre». Dass seine Bemerkung nicht nur auf die deutsche Metropole während der unmittelbaren Nachkriegszeit zutrifft, sondern von nahezu zeitloser Gültigkeit ist, beweist ein Lesebuch, das umfassender kaum sein könnte. Der Sammelband «Berlin. Polnische Perspektiven» eröffnet einen weiten Horizont vom 19. bis ins 21. Jahrhundert, er verknüpft Wissenschaftliches mit Essayistischem, die brillante Analyse mit der autobiografischen Erinnerung. Berlin ist Sehnsuchtsort und eine Hauptstadt des Schicksals. Wie ambivalent der Blick polnischer Reisender, Historiker oder Zuwanderer ist, zeigt das Buch in detailreichen Schilderungen, in denen sich die deutsch-polnischen Verhältnisse zur Wahrheit relativieren. Ein wesentlicher Abschnitt des Bandes gilt der Rolle polnischer Gefangener und Zwangsarbeiter im Berlin der NS-Zeit. «Eine Parallele» nennt der Schriftsteller Witold Gombrowicz ironisch das historische Gegen- und Nebeneinander zweier Völker, die Siege und Niederlagen. Die Deutschen seien durch das eine geformt, die Polen durch das andere. Wie sich Stereotypien verfestigen und wieder auflösen, zeigt das Buch in seinem entschlossenen Gang durch die Geschichte.

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    Dorota Danielewicz-Kerski, Maciej Gorny (Hrsg.): Berlin. Polnische Perspektiven 19. bis 21. Jahrhundert. Berlin-Story-Verlag, 2008. 447 S., Fr. 35.90.
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