Dienstag, 06. Januar 2009, 10:43:45 Uhr, NZZ Online
An der Wall Street greift die Angst vor einer Rezession um sich. Der enttäuschende Arbeitsmarktbericht für August hat vor dem Wochenende die Konjunkturskepsis noch verstärkt. Nach massiven Kurseinbussen vom Vortag verlor der S&P 500 auch am Freitag zunächst kräftig an Boden, grenzte sein Minus im Verlauf aber wie die übrigen Leitindizes ein. Am frühen Nachmittag lag das Barometer noch mit 0,3% im Minus.
Am Donnerstag hatten schwache Umsatzzahlen aus dem Einzelhandel die Investoren um die Kaufkraft der Konsumenten fürchten lassen, nachdem der Effekt der Steuerrückerstattungen vom Frühjahr nachgelassen hatte. Komplett machte das trübe Szenario vor dem Wochenende der US-Hypothekenverband mit der Nachricht, dass der Anteil der Eigenheimbesitzer, welche mit ihren Darlehenszahlungen in Rückstand geraten sind oder sich schon in der Zwangsvollstreckung befinden, Ende Juni auf dem Rekordniveau von 9% lag. Die vor wenigen Tagen kräftig nach oben revidierte Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts im zweiten Quartal sei momentan der einzige Indikator, der nicht auf eine Rezession hindeute, hatte Merrill Lynch am Mittwoch diagnostiziert und auf rückläufige Realeinkommen und Konsumausgaben im Juli verwiesen.
Der Markt stehe am Scheideweg, meinte ein Broker. Hohe Kursverluste vor einem Wochenende zögen üblicherweise einen noch stärkeren Rutsch zu Beginn der kommenden Woche nach sich. Hedge-Funds wollten dies offensichtlich verhindern und reduzierten daher Barbestände, schlössen Leerpositionen oder schauten sich nach Schnäppchen um. Yahoo etwa, die am Donnerstag auf ein Fünfjahrestief gefallen waren, lagen im Verlauf vor dem Wochenende gut 2% vorne. Sollte der Markt drehen können, spräche dies dafür, dass der Verkaufsdruck ausgestanden sei, heisst es im Handel. Die Kursschwankungen der jüngsten Wochen haben Hedge-Funds vielfach die Performance verhagelt, und die Schwäche des Gesamtmarktes in den vergangenen Tagen wird auch damit erklärt, dass die Anlagevehikel in Erwartung von Mittelabflüssen Positionen reduziert haben.
Einstweilen neigten die verunsicherten Anleger aber dazu, selbst positive Nachrichten negativ zu interpretieren, wird im Markt moniert. Den Rückgang des Ölpreises etwa werteten sie nicht als Entlastung für Konsumenten, Unternehmen und den Aktienmarkt, sondern als Fanal eines weltweiten Konjunkturabschwungs. Barclays räumt den Aktienkursen angesichts sinkender Rohstoffkosten Spielraum für ein Rally ein.
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