Dienstag, 06. Januar 2009, 21:08:20 Uhr, NZZ Online
wjm. Buenos Aires, 6. Juli
Der kolumbianische Verteidigungsminister Santos hat den Schweizer Vermittler Jean-Pierre Gontard beschuldigt, als Geldkurier für die Farc-Guerilla tätig gewesen zu sein und für diese die Summe von 500 000 Dollar transportiert zu haben, welche dieses Frühjahr in Costa Rica in einem Garten vergraben gefunden worden sind. Für seine Anschuldigungen stützt sich Santos auf E-Mails, welche in einem der Computer des am 1. März bei einem Angriff ums Leben gekommenen Farc-Führers Reyes gefunden wurden. Das in Costa Rica vergrabene Geld war ebenfalls aufgrund von Angaben in den Computern von Reyes gefunden worden. Santos machte seine Aussagen in einem Interview, das in der Sonntagsausgabe der kolumbianischen Zeitung «El Tiempo» erschienen ist.
Jean-Pierre Gontard, ein Professor für Entwicklungsfragen in Genf, wirkte seit längerem in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten als Vermittler im Konflikt zwischen der Regierung und den Farc. Die Schweiz gehört zu der Gruppe der befreundeten Länder, die Kolumbien ihre Guten Dienste zur Verfügung gestellt haben. Bereits in den letzten Tagen gab es in der Presse Spekulationen darüber, dass Gontard auch Geld für die Guerilleros transportiert habe, allerdings war der angegebene Betrag wesentlich kleiner.
Wenige Tage vor der Befreiung von Ingrid Betancourt und ihrer Leidensgenossen war Gontard zusammen mit dem Franzosen Noël Saez wieder in Kolumbien mit Billigung der Regierung auf Vermittlungsmission unterwegs. Unüblicherweise gab die Regierung das Treffen bekannt und meldete, dass erstmals wieder Kontakte zur Führung der Farc zustande gekommen seien. Interessanterweise war damals – also vor weniger als einer Woche – noch keine Rede von den jetzigen Anschuldigungen, sonst hätte wohl die kolumbianische Justiz sofort gegen Gontard einschreiten müssen. Offensichtlich kamen der kolumbianischen Regierung der Besuch der Vermittler und die Pressemeldungen darüber sehr gelegen, da sie für die Geiselbewacher die Version, dass eine internationale Operation im Gange sei, glaubhafter machten und damit die Operation stärkten.
Bern, 6. Juli. (sda) Ein Sprecher des Eidgenössischen Departementes des Äusseren erklärte, dass der von Santos erwähnte Fall sieben Jahre zurückliege. Gontard habe den mexikanischen Botschafter zu einem Treffen mit dem Farc-Chef begleitet, um die Freilassung von zwei entführten Angestellten eines Schweizer Unternehmens zu veranlassen. Die beiden Personen seien 2001 in Gegenwart eines kolumbianischen Polizeioffiziers freigelassen worden. Die Zahlung, die einige Monate später erfolgt sei, erscheine wohl deshalb auf dem Computer von Reyes.
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