Dienstag, 06. Januar 2009, 02:41:08 Uhr, NZZ Online
K. P. Ein Konvoi der äthiopischen Besatzungstruppen ist am Wochenende in Somalia Ziel eines Bombenanschlags geworden. Das Attentat ereignete sich rund 25 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Mogadiscio auf der Strasse zum wichtigen Verkehrsknotenpunkt Afgoye. In der Gegend haben sich viele Einwohner Mogadiscios in behelfsmässigen Behausungen niedergelassen, nachdem sie wegen der Kämpfe zwischen Äthiopiern und islamistischen Rebellen aus der Hauptstadt hatten fliehen müssen.
Auf den Bombenanschlag reagierten die äthiopischen Soldaten in gewohnter Weise, indem sie wild auf alles in der Umgebung zu schiessen begannen. Opfer wurden laut verschiedenen Medienberichten vor allem die Insassen zweier Minibusse, die am Ort des Attentats vorbeifuhren. Die Angaben zu den Opferzahlen schwanken zwischen 40 und 65, wobei nicht klar ist, ob die durch die Bombe getöteten Personen darin inbegriffen sind. Somalische Parlamentarier verurteilten die äthiopische Reaktion, die sie als Massaker und Massenhinrichtung bezeichneten. Ein somalischer Militärsprecher dementierte dagegen, dass die Äthiopier für die zivilen Opfer verantwortlich seien. Die Zivilisten seien vielmehr durch die Bombe getötet worden, die versehentlich einen Bus getroffen habe.
Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass die äthiopischen Truppen auf diese Weise auf Anschläge reagieren. Die Äthiopier hatten Ende 2006 das islamistische Regime der Scharia-Milizen gestürzt und die somalische Übergangsregierung an die Macht in Mogadiscio gebracht. Während sie sich anfänglich diskret verhielten, reagierten sie später auf die zunehmenden Guerillaattacken der Scharia-Milizen mit unverhältnismässiger Brutalität. So legten sie mit Artilleriebeschuss ganze Viertel von Mogadiscio in Schutt und Asche. Auch die Scharia-Milizen nehmen bei Bombenattentaten und Raketenbeschuss bewusst zivile Opfer in Kauf.
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