Samstag, 06. September 2008, 03:41:16 Uhr, NZZ Online
Schwellenländer wollen sich nicht auf konkrete Ziele festlegen lassen
(ap) Die führenden Wirtschaftsmächte haben sich bei einem ersten Spitzentreffen zum gemeinsamen Kampf gegen den Klimawandel bekannt, aber keine konkreten Ziele festgelegt. In vierstündigen Beratungen im japanischen Ort Toyako liessen sich die Schwellenländer nicht auf den Vorstoss der G-8 ein, den Treibhausgasausstoss bis 2050 mindestens zu halbieren.
Eineinhalb Jahre vor der entscheidenden Uno-Konferenz haben die Bemühungen um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll damit abermals einen Dämpfer erlitten.
Mit dem Treffen endete der dreitägige G-8-Gipfel, bei dem der Klimaschutz, die Afrika-Hilfe, die Lage in Simbabwe und die hohen Öl- und Lebensmittelpreise im Mittelpunkt standen. Zum Abschluss war die G-5 der wichtigsten Schwellenländer zu Gast, der China, Indien, Südafrika, Mexiko und Brasilien angehören. Mit dieser Gruppe will die G-8 künftig noch enger kooperieren. Im nächsten Jahr sollen die 2007 in Heiligendamm begonnen Konsultationen auf einen ganzen Tag ausgeweitet werden. Eine Erweiterung der Gruppe führender Industriestaaten ist dagegen zunächst vom Tisch.
(ap) Uno-Klimachef Yvo de Boer hat die Klimaerklärung der acht wichtigsten Industriestaaten als unzureichend kritisiert. Die G-8 hätten bei ihrem Gipfeltreffen in Japan lediglich einem vagen Ziel zugestimmt, sagte de Boer am Mittwoch. Er halte das Ergebnis der Beratungen daher für nicht bedeutsam. Deutschland, die USA, Frankreich, Grossbritannien, Japan, Russland, Kanada und Italien hatten sich klar zu dem Ziel bekannt, den CO2-Ausstoss bis 2050 mindestens zu halbieren. Mittelfristige Richtwerte wurden dagegen nicht festgelegt.
Gerade auf solche mittelfristigen Ziele bis zum Jahr 2020 habe er gehofft, sagte de Boer der Nachrichtenagentur AP. Solche Vereinbarungen würden Entwicklungsländer ermutigen, sich an den Bemühungen im Kampf gegen die globale Erwärmungen zu beteiligen und klare Signale an die Wirtschaft senden. Ausserdem habe sich die Staatengruppe nicht darauf festgelegt, das Ziel von 50 Prozent bis 2050 verbindlich zu machen, bemängelte der Uno-Klimachef.
Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel begrüsste die Entscheidung. «Ich finde das sich jetzt ergebende Format geradezu ideal, weil es uns alle Freiheiten lässt», sagte sie. Zwar könne die G-8 viele Probleme nicht mehr ohne Länder wie China oder Indien lösen. Man müsse aber aufpassen, «dass die G-8-Gruppe sich nicht verwässert».
Zu der «G-8 plus 5» stiessen später Australien, Indonesien und Südkorea hinzu, um über den Klimaschutz zu beraten. Die 16 Wirtschaftsmächte sind zusammen für rund 80 Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses verantwortlich.
Die G-8 waren einen Tag vor dem Spitzentreffen in Vorleistung getreten und hatten erstmals ein langfristiges Reduktionsziel beschlossen. Darauf liessen sich die Schwellenländer aber nicht ein. Der chinesische Präsident Hu Jintao sprach den G-8-Staaten weiterhin die Federführung bei den Anstrengungen zu. «Die entwickelten Staaten sollten sich klar dazu bekennen, dass sie weiterhin die führende Rolle bei der Verringerung von Emissionen einnehmen», sagte er laut Redemanuskript.
G-8:
Einigung auf Klimaschutzziel
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