Dienstag, 06. Januar 2009, 08:24:00 Uhr, NZZ Online
Während fast die gesamte europäische Autoindustrie unter der Finanzkrise und den angekündigten Auflagen für den Klimaschutz ächzt und in diesem Jahr Kursverluste von mehr als 50% hinnehmen musste, eilt die Stammaktie der Volkswagen AG von einem Höhenflug zum nächsten. Am Montag glich der Kursverlauf der Aktie der Flugbahn eines Federballs, der von einem kräftigen Spieler um die Mittagszeit in die unglaubliche Höhe von 452 € getrieben wurde, um bis am Abend wieder annähernd auf dem Ausgangsniveau bei 287 € zu landen. Dadurch wurde die theoretische Marktkapitalisierung des Konzerns für ein paar Stunden um 57% oder fast 50 Mrd. € aufgeblasen, um bis zum Abend wieder auf 85 Mrd. € abzusacken. Und dabei gilt den meisten Finanzanalytikern selbst dieses Niveau im Vergleich mit der darbenden Konkurrenz noch als viel zu hoch. Es erklärt sich nicht durch die gegenwärtige Wirtschaftskraft des Unternehmens, sondern vielmehr durch den angekündigten Versuch der Porsche SE, noch in diesem Jahr die Stimmenmehrheit an Volkswagen zu erwerben.
Porsche gab am Abend bekannt, das Unternehmen habe am Dienstag ein kleineres Aktienpaket erworben, aber zu weit tieferen Preisen als den derzeitigen Rekordwerten. Diese müssen also von einer anderen Partei bezahlt worden sein. Die Vermutung lag nahe, dass es sich um eine durch Derivatgeschäfte ausgelöste Zwangslage gehandelt haben muss. Die Zahl der von Porsche erworbenen Aktien wurde nicht genannt.
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