[Alt + 1] zur Startseite [Alt + 2] zum Seitenanfang [Alt + 3] zur allgemeinen Navigation [Alt + 4] zur Hauptnavigation [Alt + 5] zum Inhalt [Alt + 6] zu Tipps, Hinweise und Kurzinfos [Alt + 7] zur Suche [Alt + 8] zum Login von MyNZZ [Alt + 9] zur Fusszeile
.
  • 4. September 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Zu Fuss rund ums Centovalli

    Zu Fuss rund ums Centovalli

    Auf geheimnisvoll gewundenen Säumerwegen und Geissenpfaden

    Toolbox
    Druckansicht
    Eine Umrundung des Centovalli-Tales auf Höhenwegen fernab der Touristenströme bietet nicht nur Ausblicke auf eine grandiose Landschaft, sondern auch Einblicke in die Tessiner Kultur.

    Urs H. Fischer

    In diesem Tal, das Locarno mit Domodossola in Italien verbindet, dominieren steile Hänge. Endlos grüne Wälder säumen die tiefen Schluchten der Melezza, und die vereinzelten Dörfer sind lieblich. Unser Ausgangspunkt ist Intragna, das «Tor ins Centovalli», ein typisches Tessiner Dorf mit gut erhaltenem Ortskern. Wir folgen der Strasse in Richtung Domodossola. Wenige hundert Meter vom Ortsrand entfernt führt ein Plattenweg hinunter zum Ponte Romano. Die historische Brücke aus dem Jahr 1578 spannt sich malerisch über den Fluss. Tief unten das ausgewaschene Bachbett, ein beliebter Platz zum Baden und Tauchen. Uns zieht es jedoch weiter, und wir steigen am Gegenhang bergauf. Im kühlen Schatten des Kastanienwaldes kommen wir gut voran. Immer wieder tun sich Lichtungen auf. Einmal blicken wir in eine tiefe Schlucht am Eingang zum Valle Onsernone. Ein anderes Mal erhaschen wir einen ersten Ausblick auf den Pizzo Leone, den höchsten Punkt unserer ersten Tour. Nach gut zweieinhalb Stunden erreichen wir die Alp Salticco. Von einem Felsvorsprung schauen wir auf Intragna hinab. Vor uns öffnet sich eine Hochweide samt Ziegenherde. Ein paar Steinhütten vor einem stahlblauen Himmel bilden eine herrliche Kulisse. In der Ferne reihen sich die schneebedeckten Gipfel der Walliser Alpen. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Corona dei Pinci. Unten glitzert das Wasser des Lago Maggiore in der Mittagssonne.

    Anzeige
    .
    .

    Weiter geht es dem Höhenzug folgend nach Westen, zunächst durch fast schulterhohe Farne, vorbei an der Alpe di Naccio bis zum Gipfel des Pizzo Leone, wo wir mit einem phantastischen Panorama in die Tessiner Bergwelt belohnt werden. Danach steigen wir steil durch einen lichten Wald nach Rasa ab. Das fotogene Dorf ist autofrei und nur zu Fuss oder mit einer kleinen Seilbahn erreichbar. Ein Dorfidyll am Ende der Welt. Über Terra Vecchia gelangen wir nach Bordei, einem kleinen Ort, bestehend aus einer Ansammlung von grauen, mit Granitplatten gedeckten Häusern, versteckt im gleichnamigen Tal abseits des Massentourismus. Wir geniessen die Ruhe und machen es uns auf der Terrasse der stilgerecht renovierten Osteria Bordei gemütlich, wo uns Rosaria Quattrini mir ihrer Kochkunst verwöhnt.

    Früher Start

    Am nächsten Morgen scheint schon früh die Sonne und kündet einen heissen Tag an. Auf dem Programm steht der Aufstieg zum Gridone, dem mit 2188 Metern höchsten Berg auf der Wasserscheide zwischen Centovalli und Lago Maggiore. Ein früher Start lohnt sich. Die Hänge sind steil, und die Route verläuft zum Grossteil oberhalb der Baumgrenze. Wir verlassen Bordei Richtung Palagnedra auf einem Pfad durch Schluchten und Wälder. Kurz vor der Alp Boladee nehmen wir die Abzweigung hinauf ins Val del Boschetto. Schon bald treten wir aus dem Wald heraus. Mächtige Felsen liegen am Wegrand, glasklares Wasser aus dem Bergbach sammelt sich in zahlreichen Gumpen. Der Aufstieg wird steiler und das Gelände felsiger. An einer gar abschüssigen Stelle ist der Weg mit Drahtseilen gesichert.

    Wir gewinnen an Höhe, der Blick ins Tal wird zunehmend imposanter. Der Lago di Palagnedra schimmert am Talgrund. Über die Bochetta del Fornale gelangen wir kurzzeitig nach Italien, kraxeln eine Geröllhalde hinunter und traversieren unterhalb des Gipfelgrates steile Wiesenhänge. Nach vier Stunden sind wir am Ziel: das Gipfelkreuz auf dem Gridone. Der Ausblick von hier ist gigantisch. Am westlichen Horizont die Walliser Alpen, ganz im Norden die Gipfel rund ums Val Bedretto, Richtung Osten erblicken wir das Maggiadelta und die Magadinoebene, und im Süden blicken wir weit über das Ende des Lago Maggiore in die Lombardei hinein. Selbst der Pizzo Leone wirkt von hier oben klein. Wir gönnen uns eine kleine Rast. Der Abstieg erfolgt über die Bochetta di Valle. Höllisch steil geht es durch das mit Gestrüpp bewachsene Val di Bordei hinunter, entlang dem dahinplätschernden Bergbach.

    Prunkvolle Residenzen

    Nach einem erholsamen Schlaf in dem heimeligen Zimmer der Osteria Bordei machen wir uns auf den Weg nach Palagnedra, einem Ort, der aufgrund seiner Lage auf einem Hochplateau von der Sonne verwöhnt wird. Das Dorf überrascht mit einigen grandiosen Palazzi zwischen den sonst einfachen Wohnhäusern. In früheren Jahren sind viele Einwohner nach Italien ausgewandert und haben es als Hafenarbeiter in Livorno und Genua zu einem gewissen Wohlstand gebracht. Nach der Rückkehr investierten sie ihr Geld in prunkvolle Residenzen. Sehenswert sind auch die spätmittelalterlichen Fresken in der stattlichen, dem Dorf vorgelagerten Kirche San Michele. Über die Staumauer des Lago di Palagnedra erreichen wir die andere Talseite und steigen hinter dem Bahnhof nach Verdasio auf. Wie ein Adlerhorst hängt das Bergdorf am steilen Hang. Das Restaurante al Pentolino lädt zum Verweilen ein. Von Verdasio wandern wir im Wald, schön gemächlich, hinauf nach Monte di Comino. Ein kurzer Besuch der Kirche Madonna della Segna mit dem Altar von San Rocco, und schon geht es weiter, leicht auf und ab am Hang entlang, an der Alp Dröi vorbei bis zur Alp Calascio mit ihrer hübschen Kapelle. Das Panorama der Bergkette auf der gegenüberliegenden Talseite ist grossartig. Mit etwas Phantasie können wir den Weg der zwei vorangegangenen Tage an den üppig bewaldeten Hängen des Gridone, Pizzo Leone und der Corona dei Pinci ausmachen. Die letzte Stunde geht es allerdings fast treppenartig auf Granitstufen durch den Wald hinunter über Pila zurück zu unserem Ausgangspunkt in Intragna.

    Gut zu wissen

    Gut zu wissen

    Anreise: Intragna ist ab Locarno bequem mit der Bahn zu erreichen (www.centovalli.ch).

    Informationen: Generelle Angaben zum Centovalli unter www.procentovalli.ch sowie unter www.centovalli.net.

    Essen: Osteria Bordei, 6657 Bordei, Telefon 091 780 80 05, www.bordei.ch.

    Beste Jahreszeit : Für die zum Teil anspruchsvolle Bergwanderung eignen sich die Monate Mai bis Oktober am besten.


    .
    Leserkommentare ein- und ausblenden Leser-Kommentare: 0 Beiträge
    .
    Um selbst einen Leser-Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich hier anmelden. Bitte beachten Sie die für Leser-Kommentare geltenden Richtlinien und Copyright-Bestimmungen.
[Alt + 9] zum Seitenanfang