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  • 4. September 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Klettern im Maggiatal

    Klettern im Maggiatal

    «Plaisir» pur bei Ponte Brolla

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    Ponte Brolla, nur vier Kilometer von Locarno entfernt, ist eines der grössten «Plaisir»-Klettergebiete der Schweiz. Die Besucher erwarten in dieser gut gesicherten Anlange über hundert Seillängen.

    Christine Kopp

    An den Gneisplatten unmittelbar hinter Ponte Brolla: Es wimmelt von Seilschaften, die Routen wie «Vino Rosso» oder die hübsche «Farfalla» erklettern. Frauen und Männer, Gruppen und Familien aus allen Landesteilen, aus Deutschland, Österreich und Italien – es herrscht Grossandrang. Doch es gibt Platz genug für alle. Ponte Brolla, nur vier Kilometer von Locarno entfernt, ist nämlich eines der grössten «Plaisir»-Klettergebiete der Schweiz schlechthin.

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    Der Begriff «Plaisir» geht auf den Anfang 2005 verstorbenen Berner Oberländer Altmeister der Kletterei Jürg von Känel zurück und bedeutet hier: Weit über hundert Seillängen in einfachen Schwierigkeitsgraden und perfekt mit Bohrhaken abgesichert, damit auch wenig erfahrene oder unerfahrene Kletterer oder sogar Kinder sorglos aufsteigen können, warten in den Sektoren Placca di Tegna, Castelliere, Sperone di Ponte Brolla oder Monte Garzo auf Besucher. Zusätzlich sind da noch die knackigen Mehrseillängen-Routen bei Avegno weiter hinten im Maggiatal sowie die zum Klassiker avancierte «Alhambra», eine fast zwanzig Seillängen lange Tour, die einiges an Schnelligkeit und Ausdauer voraussetzt.

    Das Klettern rund um Ponte Brolla ist nicht nur wegen dieser Sportart beliebt. Wer aus dem Norden hierher kommt, ist oft auch auf der Suche nach Wärme und einem südlichen Lebensgefühl, das einhergeht mit Cappuccino auf der Sonnenterrasse oder einer Mahlzeit in einem der zahlreichen Grotti und Ristoranti unterhalb der Felsen. Die Stimmung beim Klettern ist denn auch meist beschwingt, selbst wenn es Ausnahmen gibt: Die glatten Platten bringen manchen Sportler hie und da zur schieren Verzweiflung. «Zug!» ist dann aus irgendeiner Schlüsselstelle zu vernehmen, wo jemand gerade am Halt der Gummisohlen seiner Kletterschuhe zweifelt und entnervt der Schwerkraft trotzt.

    Wir kennen sie ja selbst bestens, jene Momente, in denen man richtig wacklige Knie kriegt. Typisch für die Kletterei hier: Was zählt, ist eine gute Technik, Balance für das richtige Verlagern des Gewichts, ein dezidiertes Antreten und entsprechendes Vertrauen in die Füsse – eine Kletterei, die Frauen oftmals besonders liegt, aber auch Kindern, die flink über aalglatte Stellen hochspazieren, während bestandene Alpinisten verzweifelt nach guten Griffen Ausschau halten.

    Zwei Stunden später. Ein Streifzug durch die nahen Dörfer des Valle Maggia, etwa Gordevio, in denen viele alte Rustici restauriert wurden und werden. Kaum lässt man die Orte hinter sich, stösst man auf verlassene Weiler und Alpen. Die Spuren der einstigen Besiedlung sind überall zu erkennen – und der Rummel an den Kletterplatten ist weit weg. Auch das gehört zu einem Aufenthalt hier: die Entdeckung des Tals, seiner Geschichte, seiner Menschen. Klettern nur um des Kletterns willen – wäre das nicht zu wenig?

    Wir steigen hinab zur Maggia, geniessen ein langes Sonnen- und ein kurzes Wasserbad. Die heiklen Schlüsselstellen im Fels sind längst vergessen. In dieser Hinsicht ist das menschliche Gedächtnis nicht zu übertreffen: Was vor kurzem noch zu echter Panik geführt hat, ist in irgendeiner Ecke des Kopfs verschwunden. Zum Glück. Nur so wird man sich bald wieder an die nächste Kletterei wagen! Aber zuerst geht es zu einem der legendären Risotti im Ristorante Centovalli am Fuss der Felsen und anschliessend ins Teatro Dimitri im nahen Verscio. Hier werden einem die Artisten der Compagnia Dimitri vormachen, was die richtige Mischung zwischen Balance und Beweglichkeit heisst – Eigenschaften, die einem auf den wunderschönen Platten des Maggiatals durchaus zugute kämen?

     

    Gut zu wissen

    Gut zu wissen

    Anreise: Autobahn 2 (Gotthardachse) bis Bellinzona, Ausfahrt Locarno, den Schildern folgen ins Valle Maggia; die Klettergebiete liegen bei Ponte Brolla eingangs des Tals sowie beim Dorf Avegno. Mit dem öV: SBB bis Locarno, Centovalli-Bahn bis Ponte Brolla.

    Literatur: «Schweiz plaisir Sud», Edition Filidor 2003, www.filidor.ch.

    Essen: Empfehlenswert, direkt unter den Felsen des Castelliere und beim Parkplatz: «Centovalli» (Gault Millau), «Stazione» (beide bieten auch Zimmer an) sowie «Da Enzo».

    Unterkunft: In unmittelbarer Nähe der Kletterfelsen gibt es Unterkünfte in allen Preislagen. Vallemaggia Turismo, Telefon 091 753 18 85, www.vallemaggia.ch.

    Kulturtipp: Teatro Dimitri, 6653 Verscio, Telefon 091 796 25 44, www.teatrodimitri.ch.


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