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  • 21. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Die Southern Alps – ein Paradies für «Tramper»

    Die Southern Alps – ein Paradies für «Tramper»

    Wandern und Biken in Neuseelands Arthur's Pass National Park

    Trainings-Run mit Aussicht auf die Berglandschaft des Arthur's Pass National Park Trainings-Run mit Aussicht auf die Berglandschaft des Arthur's Pass National Park. (Bild: Rudolf Hermann)
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    Von der Höhe her entsprechen Neuseelands Southern Alps mehrheitlich den Schweizer Voralpen, doch im Charakter sind sie oft hochalpin. Der Arthur's Pass National Park ist leicht zugänglich und bietet grossartige, einsame Landschaften mit vielfältigen Möglichkeiten.

    Rudolf Hermann

    «Viel kann einem hier ja nicht passieren», wirft Mark Cain mit einem breiten Grinsen ein und weist auf die steile Schotterhalde am Berg gegenüber. «Keine grösseren Felsen, über die man hinunterfallen könnte. No worries.» Wäre es Winter, würde man diesen Hang meiden, weil er höchst lawinengefährlich wäre. Doch jetzt liegt kein Schnee, und Mark ist die Lust anzusehen, den Steilhang zu befahren. Mit dem Mountainbike.

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    Mit dem Velo über Geröllhalden

    Diese Tour hat er sich für den kommenden Tag vorgenommen. Jetzt begnügt er sich mit einem Trainings-Run auf den Helicopter Hill, eine Kuppe in den Craigieburn Ranges mit prächtiger Aussicht auf die Berglandschaft des Arthur's Pass National Park. Dort hat uns der Zufall zusammengeführt; wir waren zu Fuss auf einem äusserst angenehmen Weg gekommen, er mit seinem Compagnon Paul Hubbard per Bike. Mark und Paul sind aus Christchurch, und die Gegend von Arthur's Pass, einem der Übergänge über den Hauptkamm der Southern Alps, ist für sie ein leicht zugänglicher Abenteuerspielplatz, wo sich ein aktives Wochenende verbringen lässt.

    Auf der Landkarte präsentiert sich der Arthur's Pass National Park für Schweizer Augen relativ harmlos. Man macht Berge aus, die generell bis auf etwa 2000 Meter über Meer ansteigen; Mount Rolleston, der höchste ganz im Park stehende Gipfel, ist 2275 Meter hoch. Voralpen-Terrain, mag man sich dabei etwas abschätzig denken. Dies ist allerdings eine Fehleinschätzung, denn vor Ort wird schnell klar, dass die Verhältnisse anders liegen. Oberhalb der Baumgrenze, ab etwa 1500 Metern, ist die Landschaft sehr oft schon hochalpinen Charakters; Firnfelder und Gletscher auf weniger als 2000 Metern Höhe sind hier keine Seltenheit. Das zeigt an, dass das Klima rauer ist als in vergleichbaren Höhenlagen in Europa. Nur schon deshalb gilt es, den Southern Alps mit gebührendem Respekt zu begegnen.

    Dieser ist auch aus einem anderen Grund angebracht. Das Gebiet ist zwar gut mit Verkehrswegen erschlossen und damit relativ einfach zu erreichen, doch an Einsamkeit hat ihm das nichts genommen. Von Christchurch aus, der grössten Stadt der neuseeländischen Südinsel, führt eine gut ausgebaute Strasse nach Westen, und mit etwa zwei Stunden Fahrzeit liegt der Arthur's Pass National Park in Tagesausflugs-Distanz zu ihr. Und sogar mit dem Zug kann man kommen. Einmal täglich fährt der TranzAlpine nach Greymouth an der Westküste und zurück, auf einer spektakulären Strecke durch die Schluchten des Waimakariri und des Otira River, und sticht bei Arthur's Pass durch den Hauptkamm der Southern Alps. Mit seinem dünnen Fahrplan ist Neuseelands Pendant zur Gotthardbahn jedoch eher eine Touristenattraktion als ein Verkehrsmittel.

    Grandiose Einsamkeit

    Die Gegend mag verkehrstechnisch erschlossen sein – die Strasse, die Bahnlinie, zwei, drei Siedlungen und ein paar verstreute Höfe sind jedoch die einzigen Versatzstücke der Zivilisation. Es regiert eine Natur, die vom Menschen nicht gebändigt wurde, sondern bei der er bescheiden zu Gast ist. Das ist schon bei einer verhältnismässig kurzen und leichten Wanderung wie jener auf den Helicopter Hill der Fall. Zehn Meter abseits der Durchgangsstrasse, wo der Weg beginnt, ist bereits Wildnis. Obwohl es Wochenende ist, begegnet uns auf dem Pfad ausser den beiden Mountainbikern praktisch keine Seele.

    Das macht auch kleinere Wanderungen zu Unternehmungen, die gut geplant sein wollen. Wer in die neuseeländischen Berge geht, muss sich selber zu helfen wissen. Die beruhigende Sicherheit eines Mobiltelefonnetzes gibt es nicht, hier in der Wildnis ist kein Empfang. Darauf, dass man andere Leute antrifft, kann man nicht unbedingt zählen. Und das Wetter ist kapriziös. Von Westen drängen Wolken, die sich auf ihrem Weg über Tausende Kilometer Meer mit Feuchtigkeit vollgesaugt haben, an den Alpenkamm, dessen Westabhänge in tieferen Lagen von dichtem, urtümlichem Regenwald bewachsen sind. Sie können auch auf der trockeneren Ostseite plötzliche Wetterstürze herbeiführen und mit ihren Regengüssen Bäche und Flüsse anschwellen lassen.

    Gute Vorbereitung nötig

    Das kann für Wanderer und Bergsteiger zu einem ernsthaften Problem werden. Nur bei Spazier- und Wanderwegen werden auch Brücken unterhalten; wer eine der zahlreichen sogenannten «Tramping-Routen» begehen will, muss hingegen selber schauen, wie er über einen Bach oder Fluss kommt. («Tramping» entspricht im neuseeländischen Jargon unserem Begriff des Trekkings, «Walking» bedeutet Wandern – ein wichtiges Detail bei der Wahl eines Ausflugs.) Nicht umsonst heisst es in den Routenführern des Nationalparks, Kartenlesen und gute Orientierungsfähigkeit seien Grundvoraussetzungen für das Bergwandern in der Arthur's-Pass-Region. Die Routen sind oft nur mit Stecken oder Steinmannli markiert, den Weg muss man selber suchen. Und sollte ein Gewässer unpassierbar scheinen, wird lapidarer Rat erteilt: Umkehren oder warten, bis der Pegelstand sinkt. Denn zu Hilfe könnte einem kaum jemand kommen.

    Doch ist es auch die Einsamkeit, die den gewaltigen Reiz dieser urtümlichen Landschaft ausmacht. Im Talboden bahnt sich der Waimakariri River weitverzweigt seinen Weg durch das Kies der Schwemmebene; in Bächen, deren Lauf sich ständig ändert. Nur schon deshalb enthalten die Wegbeschreibungen keine Informationen darüber, wo die Querung am einfachsten sei. Routen führen durch Flusstäler, über Pässe und auf Gipfel, und ein Netz von Hütten, die meisten sehr simpel und auf Selbstversorgung der «Tramper» ausgelegt, bietet die Infrastruktur für mehrtägige Unternehmungen.

    Wer sich einer grossartigen Bergwelt hingeben und sie für sich haben will, ist hier richtig. Seine Fähigkeiten richtig einzuschätzen und angemessene Ausrüstung mitzubringen, ist aber entscheidend für den Genuss. Denn gerade weil sie so leicht erreichbar sind, werden die Berge um den Arthur's Pass oft unterschätzt und gehören deshalb für die Statistiker zu den gefährlichsten Neuseelands.

     

    Gut zu wissen

    Gut zu wissen

    Anreise: Christchurch hat einen internationalen Flughafen. Von Christchurch aus per Mietwagen, Zug oder Bus nach Arthur's Pass. Die Variante Mietwagen empfiehlt sich, da im Nationalpark-Gebiet kein lokaler öffentlicher Verkehr besteht.

    Unterkunft: Arthur's Pass Village bietet eine beschränkte Anzahl Betten in einer Reihe von Häusern verschiedenster Preislagen, von Campingplätzen und Backpacker-Herbergen über Ferienhäuschen bis zu Motels und Hotels. In der weiteren Umgebung befinden sich auch einige exklusive Luxury-Lodges, z. B. Grasmere Lodge. Vorausbuchen ist in den Hauptreisezeiten (Sommer und Winter) unerlässlich. Eine andere Möglichkeit ist das Mieten eines Campervans.

    Wandervorschläge und Routenbeschreibungen: Umfassende Informationen zum Nationalpark bei www.apinfo.co.nz. Routenbeschreibungen findet man auf der Website des Department of Conservation (www.doc.govt.nz) in der Sektion Canterbury-Waimakariri Area.

    Mountainbiking: Im Park nur auf Schotterstrassen; anspruchsvolle Downhill-Tracks in den Skigebieten Craigieburn und Broken River.

    Informationen zur Region: Christchurch & Canterbury Tourism, www.christchurchnz.com


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