Mittwoch, 07. Januar 2009, 01:37:13 Uhr, NZZ Online
Kür. Nach knapp zehn Jahren Unterbruch ist ein legendäres Motorrad wieder da, die Yamaha Ténéré, benannt nach dem trockensten Teil der Sahara. Bereits 1983 hatte Yamaha die erste Ténéré, die XT600Z, lanciert, an der alles dran war, was Abenteurer für eine Wüstenquerung brauchen: einfache, standfeste Technik, ein riesiger 30-Liter-Stahlblechtank und eine bequeme Sitzbank. In den Folgejahren erlebte die Ténéré diverse, weniger erfolgreiche Überarbeitungen. 1999 wurde die Produktion eingestellt.
Die neue XTZ660 verkörpert nun wieder die puristischen Werte des Urmodells. Praktische Aspekte sind wieder in den Vordergrund gerückt. Das heisst jedoch nicht, dass die Ténéré nicht toll aussieht. Geschickt wurden beispielsweise die einfach austauschbaren Sturzprotektoren ins abenteuerlich anmutende Erscheinungsbild integriert. Die hohe Front mit markanter Lampenmaske und wirkungsvollem Windschild widerspiegelt den sportlichen Rally-Charakter. Eng anliegende, unter der Sitzbank montierte Schalldämpfer ermöglichen eine kompakte Montage der optionalen Alu-Koffer. Ein zusätzlicher Träger ist nicht erforderlich, selbst für das Topcase nicht. Die vorinstallierte Stromversorgung für ein Navigationsgerät sowie eine stabile Öse an der unteren Gabelbrücke – sie kann zum Verankern beim Transport oder zum Abschleppen verwendet werden – zeigen, dass die neue Ténéré bereits in der Grundausstattung für Reisen sehr gut vorbereitet ist. Und wie einst gibt es eine bequeme Sitzbank, Faltenbälge an den Gabelholmen und einen grossen Tank mit 22 Litern Inhalt, was Etappen von 400 Kilometern ermöglicht.
Wer wirklich die Wüste durchqueren oder zumindest mehrheitlich off-road fahren möchte, braucht eigentlich lediglich die Reifen zu wechseln. Weil jedoch heute die meisten Kunden vorwiegend auf asphaltierten Strassen unterwegs sind, wurde die Grundbereifung entsprechend gewählt, und das ist gut so. Gelegentliche Ausritte auf Schotterpisten sind mit den Soft-Enduro-Reifen dennoch problemlos möglich. Ebenfalls eher für den Strasseneinsatz konzipiert sind die gut dosierbaren und wirkungsvollen Bremsen mit zwei grossen 298er-Scheiben vorne und einer kleineren Scheibe mit 245 Millimeter Durchmesser hinten. Die übrige Ausstattung, Cockpit und Armaturen sind schlicht und funktionell.
Gegen die stärker motorisierten Mitbewerber hat der 48 PS starke Einzylindermotor in Sachen Leistung einen schweren Stand, zumal die Ténéré mit vollem Tank knapp über 200 Kilo wiegt. Der flüssigkeitsgekühlte Vierventiler ist ein unspektakuläres, grundsolides Aggregat, das sich seit 2004 bereits in den Schwestermodellen XT660R und XT660X bewährt. Seine Stärken sind Laufruhe, Sparsamkeit und Servicefreundlichkeit. Dazu gibt es ein gut abgestimmtes Getriebe sowie eine tadellos dosierbare Seilzugkupplung. Komplett neu ist dagegen das Fahrwerk. Der Motor übernimmt dabei erstmals eine mittragende Funktion. Ebenfalls zum ersten Mal ist an einer Ténéré die Hinterradschwinge aus Aluminium gefertigt.
Klein ist die Ténéré nicht. Das merkt jeder, der beim ersten Aufsitzen sein Bein über die leicht gestufte Sitzbank schwingt und in luftiger Höhe von 90 Zentimetern Platz nimmt. In Fahrt ist die Sitzhöhe jedoch kein Thema, die Sitzposition ist perfekt. Gut sind auch die ausgewogene Fahrwerkabstimmung sowie die souveränen, leichtfüssigen Handlingseigenschaften. Dank grossem 21-Zoll-Vorderrad kann ohne Aufstellmoment kräftig und sicher in Kurven hineingebremst werden. Die Spitzengeschwindigkeit liegt bei etwa 170 km/h. Die neue Ténéré ist modern in Technik und Anmutung, aber traditionell und legendär im Charakter. Fernweh und Abenteuerlust sind im Preis von 11 910 Franken inbegriffen.
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