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  • 2. Dezember 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Rezepte aus Fernost für neue Fahrbedürfnisse in den USA

    Rezepte aus Fernost für neue Fahrbedürfnisse in den USA

    Honda bringt die zweite Version des legendären Insight-Hybrid

    Der für 2009 angekündigte Honda Insight II soll in den USA nur etwa 19 000 Dollar kosten. Der für 2009 angekündigte Honda Insight II soll in den USA nur etwa 19 000 Dollar kosten. (Bild: PD)
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    Nur rund zwei Dollar bezahlen amerikanische Autofahrer derzeit für 4,5 Liter Benzin – fast zwei Drittel weniger als vor einem Jahr. Dennoch wollen immer weniger Amerikaner bullige Autos mit spritschluckenden V8-Motoren fahren. Viele schieben den Neuwagenkauf hinaus, und wenn es ein Neuer sein muss, dann ein Kleiner mit Hybridantrieb.

    Zoe. Die amerikanische Automobilindustrie trifft die abrupte Nachfrageverschiebung zu emissionsarmen und sparsamen Autos völlig unvorbereitet. Ausser dem Mitte 2009 serienreifen Chevrolet Volt können General Motors, Ford und Chrysler kein Auto mit signifikant sparsamerer Antriebstechnik anbieten. Ob sie es später können werden, steht in den Sternen. Denn die «Big Three», wie die Traditionsmarken gern genannt werden, schlittern gerade in die Zahlungsunfähigkeit.

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    Gegen das Hochpreis-Klischee

    Jetzt hat die Stunde der Automobilhersteller mit vorausblickenden Entwicklungsabteilungen geschlagen. Sie sitzen beispielsweise in Deutschland, wo Mercedes-Benz, Audi und BMW heute sparsame und emissionsarme Dieselfahrzeuge in den US-Markt fahren. Vor allem aber sitzen sie in Japan. Bei Honda und Toyota verliessen schon vor rund zehn Jahren die ersten Automobile mit kombiniertem Verbrennungs- und Elektromotor die Produktionshallen, die sogenannten Hybridautos. Diesel- und Hybridantriebe in Personenwagen, so wissen breite Bevölkerungsschichten, gehen sparsam mit fossilen Treibstoffen um. Sie wissen aber auch, dass für sie ein höherer Anschaffungspreis kalkuliert werden muss als für vergleichbare Personenwagen mit konventionellem Verbrennungsmotor. Dem widerspricht Honda nun erstmals und kündigt mit dem Insight für 2009 eine neue Hybrid-Limousine an, die in den USA nur etwa 19 000 Dollar kosten soll.

    Mit dem Namen «Insight» (engl. für Erkenntnis) knüpft Honda an das weltweit erste serienmässig produzierte Dreiliter-Auto mit Ottomotor an. Das in Leichtbauweise aus Aluminium konstruierte und eigenwillig gestylte Fahrzeug wog damals unter 900 Kilo, wurde von einem Dreizylindermotor angetrieben, der beim Beschleunigen Unterstützung von einem Elektromotor erhält, bot aber nur zwei Personen Platz. Denn im Fond waren jede Menge Nickelmetallhydrid-Batterien als Stromspeicher untergebracht. Von 1999 bis 2006 wurden rund 12 000 Einheiten gebaut. In Kalifornien geniessen die noch immer alltagstauglichen Insight heute einen wahren Kultstatus. Die rund 100 seinerzeit an deutsche Honda-Händler gelieferten Insight sind verschwunden. Honda hofft, der neue Insight II möge die Hybridtechnik nun in weniger einkommensstarke Familien tragen.

    Eigene Fahrzeug-Architektur

    Auch für den neuen Insight II haben Honda-Entwickler eine eigene Fahrzeug-Architektur entworfen, und wieder werden die weniger leistungsfähigen, aber hinreichend erprobten Metallhydrid-Akkus zur Stromspeicherung verbaut statt der aufwendig zu kühlenden Lithiumionen-Pakete. Sie liegen platzsparend im doppelten Unterboden, was zu einem niedrigen Schwerpunkt und gutem Handling des Fahrzeugs führt, aber auch zur Fünfsitzigkeit und zu einem ausreichend grossen Kofferraum. Gespeist werden die Akkus durch Stromerzeugung beim Bremsen sowie bei gleichmässiger Fahrt. – Angetrieben wird der Insight II von einem kleinen Vierzylindermotor mit nur 1,3 Liter Hubraum, der auch im glücklosen Honda Civic Hybrid mit hausbackenem Stufenheck arbeitet. Das gründlich optimierte Aggregat leistet im Insight 100 PS und wird beim Beschleunigen von einem etwa 25 PS starken Elektromotor unterstützt, der zwischen Verbrennungsmotor und stufenlosem CVT-Getriebe sitzt. Seine Zugkraft spürt der Fahrer ähnlich wie den Boost eines Abgasturboladers. Damit bleibt Honda seinem IMA (Integrated Motor Assist) genannten Mild-Hybrid-System treu, das, anders als das Toyota-System, völlig emissionsfreies elektrisches Fahren nicht erlaubt.

    Zu sparsamer Fahrweise erziehen

    Weil Benzinsparen trotz aufwendiger Regeltechnik noch immer massgeblich ein Ergebnis individuellen Fahrverhaltens ist, rüstet Honda den Insight II mit einem neuartigen, auf Knopfdruck aktivierbaren «Eco-Trainer» aus. Dieser beeinflusst das Motormanagement, die Getriebesteuerung sowie die Nebenaggregate, um möglichst wenig Treibstoff zu verbrennen. Beispielsweise werden spontane Bewegungen des Gaspedals verzögert umgesetzt, die Klimaanlage fährt in den Energiesparmodus zurück, und die Bremswirkung des Verbrennungsmotors bei Gasrücknahme wird angehoben, um den Ladestrom für die Akkus zu erhöhen. Ausgeklügelte Grafikdarstellungen im Display sorgen dafür, dass alle Massnahmen auch erzieherische Wirkung zeigen. Der Honda Insight II lehrt sozusagen den gewissenhaften Umgang mit Treibstoff. Doch ihn zu fahren heisst nicht zu verzichten. Mit seiner umfangreichen Sicherheitsausstattung einschliesslich sechs Airbags steht er den Klassenbesten nicht nach.

    Die sogenannte Ambientbeleuchtung motiviert den Fahrer durch wechselnde Hintergrundfarben des Tachos in drei Stufen (Blau, Blau-grün, Grün) zur effizienten Fahrweise. Darüber hinaus kann nach jedem Trip das individuelle Sparprofil abgerufen werden, um weiteres Sparpotenzial aufspüren. Auch kumulierte Langzeitergebnisse sind abrufbar. Ihre Darstellung bietet grosses Kino: Der Ast eines Baums ist dort zu sehen, dessen Blätter umso üppiger spriessen, je effizienter der Fahrer seinen Insight bewegt. Er dürfte das erste Gewächs sein, das desto schneller wächst, je weniger man es giesst.

     


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