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  • 2. September 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Lautlos in die Zukunft

    Lautlos in die Zukunft

    Der Tesla Roadster fährt ausschliesslich mit Strom

    Das US-Unternehmen Tesla hält sein Fahrzeug für serienreif. Das US-Unternehmen Tesla hält sein Fahrzeug für serienreif. (Bild: pd)
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    Mit dem Werbeslogan «Burn rubber, not gasoline» wirbt der US-Newcomer Tesla für seinen ausschliesslich mit Strom betriebenen Roadster. Unser erster Eindruck: ein faszinierendes Fahrzeug mit überzeugenden Fahrleistungen. Unbeantwortet bleibt die Frage, ob der innovative Antrieb dauerhaft alltagstauglich bleibt.

    Zoe. Wer von diesem Elektromobil hört und an ein Golfkart denkt, sollte hier nicht weiterlesen. Wer aber Anfang August in einem Porsche Carrera sitzend auf der Autobahn München–Salzburg von einem gespenstisch lautlosen Zweisitzer überholt wurde, der einem Lotus Elise sehr ähnlich sieht, könnte nachfolgend dankbar erfahren, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Verehrter Porsche-Fahrer, Sie wurden von einem Tesla Roadster überholt, den ein 248 PS starker Elektromotor antreibt, gespeist mit Strom aus dem Äquivalent von 6831 Mobiltelefon-Batterien. Falls Sie irgendetwas hören konnten, mussten dies die Rufe der Begeisterung des Piloten gewesen sein. Denn der muss nicht schalten, sondern nur Gas geben, um wie von einem Gummiband Richtung Horizont gerissen zu werden. Wohlgemerkt, ohne Abgase zu erzeugen, aber – leider vielleicht – ohne Sound zu entwickeln.

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    Das Produkt eines Querdenkers

    Dass der Pilot sich mit dem Elektro-Tesla überhaupt auf die Autobahn wagen darf, weit weg von der heimischen Steckdose, verdankt er einer Revolution der Batterietechnik und dem Querdenker Martin Eberhard. Der Elektroingenieur der sogenannten «Startup Company» Tesla Motors nahe San Francisco hat mit einem 60 Millionen schweren Budget unter anderem von Google und Ebay vor zwei Jahren vorgestellt, womit er die individuelle Mobilität revolutionieren will: einem 1220 Kilo leichten Elektromobil, das kein aufgemotzter Gabelstapler ist, sondern ein veritabler Sportwagen mit dem Sprintvermögen eines Ferrari – konkret: von 0 auf 100 km/h in rund vier Sekunden – und einer zum Schutz des Getriebes auf 201 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit.

    Gut ausbalanciert fegt der Tesla um die Ecken wie ein Mazda MX-5. Doch das bisher für unmöglich Gehaltene ist seine Reichweite. Just an diesem Kriterium sind bisher alle E-Mobil-Prototypen gescheitert, weil sie mit einem Diesel befüllten Auto, das heute bis über 1000 Kilometer schafft, bei weitem nicht mithalten konnten. Anders dieser Tesla Roadster.

    350 Kilometer Reichweite

    Heute hält das US-Unternehmen sein Fahrzeug für serienreif, verspricht bis zu 350 Kilometer Reichweite mit 54 Kilowatt Speicherkapazität und einer Ladezeit von etwa vier Stunden an der heimischen Steckdose. Insgesamt fünf Batterieherstellern, welche die Tesla-Entwicklungsingenieure nicht namentlich nennen möchten, ist es gelungen, die aus Mobiltelefonen und Computern bekannten hoch energetischen Lithium-Ionen-Batterien für den Einsatz in Automobilen alltagstauglich zu arrangieren. Alle fünf stehen auf der Einkaufsliste von Tesla. Der Skepsis, die Batterien könnten zu heiss werden und – wie wiederholt von Computern und Handys berichtet wird – explodieren, begegnet Tesla mit einem ausgeklügelten Glykol-Kühlsystem.

    Jedes, der zu elf Einheiten gebündelten Batteriepakete umströmt ein eigener Flüssigkeitskreislauf. Jede Zelle besitzt überdies zwei Sicherungen. Tesla gibt an, dass der Energieverbrauch des Roadsters einem Benzinkonsum von 2,2 l auf 100 km entspreche, und schiebt ein zweites Rechenmodell nach: Würde man den Batteriestrom mit Hilfe von 25 Quadratmetern Solarzellen generieren, könnte man damit jährlich rund 20 000 Kilometer weit fahren – im Sonnenstaat Kalifornien. Entnimmt man ihn dem europäischen Stromnetz, kostet eine Füllung bei einem Kilowattstunden-Preis von 16 Cent gut 9 Euro.

    Hängt der Roadster am Stromnetz, springt das Kühlsystem periodisch an, denn auch beim Laden erhitzen sich die Batterien. Bis zu 160 000 Kilometer sollen sie einsatzbereit sein, was einer Nutzungsdauer von fünf bis sechs Jahren sowie rund 500 Ladevorgängen entspricht. Danach sollten sie ausgetauscht werden, wofür Tesla nach heutiger Kalkulation rund 16 000 Euro veranschlagt.

    Auslieferung ab Mai 2009

    Bisher seien 1100 Tesla Roadster verkauft worden, davon rund 100 nach Europa, heisst es. Hier werden für dieses Fahrzeug 92 000 Euro berechnet, ausgeliefert wird ab Mai 2009. Gebaut werden die Maschinen bei Lotus im britischen Hethel auf Basis des Aluminium-Roadsters Elise. Wegen der Baugrösse des Energiespeichers, der an Stelle des Elise-Mittelmotors implantiert wird, besitzt der Tesla einen etwas längeren Radstand, leider auch dessen mässige Verarbeitungsqualität. Weil Tesla offenbar darum weiss, entsteht in Albuquerque derzeit ein eigenes Werk, in dem deutlich höhere Qualitätsstandards gelten sollen. Mit der dort ab 2010 gefertigten, völlig eigenentwickelten Elektro-Limousine möchte Tesla dann endgültig sein Exoten-Image abstreifen.

     


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