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  • 31. August 2008, NZZ am Sonntag

    Lagonda kehrt zurück

    Lagonda kehrt zurück

    Urbritisch und legendär: ein Lagonda Rapier mit Baujahr 1935 Urbritisch und legendär: ein Lagonda Rapier mit Baujahr 1935. (Bild: NZZaS)
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    Eine der ältesten Autofirmen der Welt wird im Frühjahr 2009 wiedergeboren. Aston Martin ist Geburtshelfer

    Was für eine wunderbare Geschichte: Ein glückloser amerikanischer Opernsänger namens Wilbur Gunn gründet 1904 in England eine Fabrik für Motorräder, der er – nach einem Fluss in seinem Heimatort Springfield in Ohio – den Namen Lagonda gibt. Gunn entwickelt Dreiräder, ab 1908 wird die Produktion auf Automobile umgestellt. Automobile, denen Lord Montague of Beaulieu das Attribut «Lagonda was the most English of cars throughout its life» – «Keine Marke verkörperte während ihrer Lebenszeit mehr Britisches als Lagonda» – gab.

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    Eine Tradition, die Ulrich Bez, seit acht Jahren der Mann hinter dem Wiederaufstieg des Hauses Aston Martin, wieder aufgreifen wird: «Ich glaube, dass es uns geglückt ist, die Marke Aston Martin neu zu positionieren, ihre Stärken herauszuarbeiten und ihr die Zuverlässigkeit und die Ästhetik zu geben, die ihr eine Einzigartigkeit verleihen. Doch das war nur möglich, weil wir Aston Martin als Sportwagen-Label der obersten Kategorie definieren – und dabei keine Kompromisse eingegangen sind.»

    Allerdings begannen schon vor längerer Zeit Überlegungen zu greifen, wie man die Marke Aston Martin weiter spreizen könnte, um auch diejenigen Liebhaber zu beglücken, die mehr Raum und mehr Komfort wünschen. Eine Frage, die Ulrich Bez eben nicht mit dem beschlossenen Bau des viertürigen Aston Martin Rapide – der von 2009 an bei Magna Steyr in Graz vom Band laufen wird – beantwortet sieht: «Der Rapide ist optisch und technisch so nahe an den DB9 angelehnt, dass er als geräumigere Variante unser Aston-Martin-Portfolio abrundet. Ein Lagonda aber wird eine andere Ebene unseres Publikums ansprechen, das seine Freude am Fahren nicht von einem sportlichen Fahr- und Triebwerk abhängig macht.»

    Dazu kommt, dass viele Märkte mit ausreichend an Luxus und Leistung interessierten Käufern nicht über die Infrastruktur oder das Klima verfügen, welches die Fahrt in einem Aston Martin rund ums Jahr vergnüglich gestaltet. «Wer in Moskau einen DB9 Volante besitzt, kann dieses Cabriolet doch nur ein paar Monate fahren», sagt Ulrich Bez, «genauso sind die attraktiven Märkte in Südamerika oder in den arabischen Ländern nur bedingt für Sportwagen geeignet. Wir wollen aber Autos bauen, die unsere Kunden rund ums Jahr fahren können.»

    Gut, dass der britische Industrielle David Brown, der 1946 Aston Martin rettete, ein Jahr später auch Lagonda für 52 000 Pfund erwarb – so liegen die Rechte an diesem Namen seit mehr als sechzig Jahren im Hause. Nachdem nun auch die Erinnerung an den technisch fortschrittlichen, aber mit reichlich Fehlerquellen behafteten Lagonda der achtziger Jahre verblasst, wird Aston Martin auf dem Genfer Autosalon 2009 offiziell den Startschuss für das Revival der Marke geben.

    Natürlich lässt sich Ulrich Bez noch keine Details über die Modellpalette entlocken – doch wer die Aston-Martin-Produkt- und -Motorenpalette betrachtet und den Spirit des Hauses Lagonda kennt, wo man stets auf aussergewöhnliche Technik, extravagantes Design und edelste Materialien bei sportlichen Fahrleistungen achtete, kann durchaus erahnen, wo die Reise hingehen wird.

    Die neuen Lagonda-Modelle werden auf die Technik und die Triebwerke von Aston Martin zurückgreifen – dazu sind die V8- und V12-Motoren einfach zu gut. Man muss sie nur neu justieren, die Maximalleistung runterfahren (die bleibt Aston Martin vorbehalten) und das Drehmoment samt dem Drehmomentverlauf so in niedrigere Drehzahlbereiche verlagern, dass das Thema Komfort stärker hervortritt. Bei den Karosserien werden zuerst ein Viertürer und ein SUV kommen – beides Bereiche, in denen keine Konkurrenz zu Aston Martin besteht. Da kann man dann auch auf Allradantrieb zurückgreifen – und das Thema Hybrid, eventuell sogar Diesel-Hybrid würde die Marke Lagonda in einem grüneren Licht scheinen lassen, was durchaus auf Aston Martin abfärben könnte.

    «Da wir seit vier Jahren schwarze Zahlen schreiben und 2008 knapp 7000 Fahrzeuge ausliefern werden, ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem wir den nächsten Schritt gehen können – und Lagonda wird die kongeniale Ergänzung zu Aston Martin sein», freut sich Ulrich Bez auf sein neues Spielzeug. «Mit dem Luxus und der Verarbeitungsqualität ausgestattet, die unsere Kunden kennen, und mit der extravaganten Form, die man von der Marke Lagonda erwarten darf.» Jürgen Lewandowski

     


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