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  • 8. Juli 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Gulf Air sucht ihren Platz am Himmel

    Gulf Air sucht ihren Platz am Himmel

    Wechsel zur Wachstumsstrategie – wieder mit einem Schweizer CEO

    Nach den Turbulenzen der letzten Jahre braucht Gulf Air wieder eine klare Strategie. Nach den Turbulenzen der letzten Jahre braucht Gulf Air wieder eine klare Strategie. (Bild: pd)
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    Gulf Air hat sich nach kurzer Zeit von ihrem CEO André Dosé getrennt und mit Björn Näf einen Kurswechsel eingeschlagen. Die Fluggesellschaft setzt nun auf rasche Expansion. Kein leichtes Unterfangen, machen dies am Golf doch mehrere Airlines in grösserem Stil.

    Jens Flottau

    Es war eine Weile lang eine wacklige Angelegenheit für Björn Näf, der früher bei Crossair und der Swiss tätig gewesen war. Er wurde von André Dosé als zweiter Mann zu Gulf Air mitgebracht, als der Ex-Swiss-Chef im vergangenen Jahr den operativen Chefposten bei der Fluggesellschaft in Bahrain übernommen hat. Dosé und Gulf Air, das war wohl ein grösseres Missverständnis, das nach wenigen Monaten mit einer abrupten Trennung endete.

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    Naheliegend und branchenüblich wäre gewesen, wenn in der Folge auch die Dosé-Crew hätte gehen müssen, doch für Björn Näf kam es anders. Er signalisierte dem Aufsichtsrat, dass er nicht alles gleich sehe wie sein früherer Chef und dass er gerne bleiben würde in Manama. Die Chefs verstanden den Wink und ernannten den ehemaligen Swiss-Manager zum «Acting CEO». Das Einzige, was er seither verloren hat, ist den Zusatz Acting – Näf hat es unterdessen an die Spitze bei der Gulf Air geschafft.

    Kein Mangel an Konkurrenz

    Offen ist allerdings, ob man ihn zu dieser Aufgabe beglückwünschen soll. Denn Gulf Air hat in der Region alles andere als einen leichten Stand. Die Gesellschaft ist umgeben von schier übermächtigen Konkurrenten, die über viel Geld oder zumindest sehr reiche Anteilseigner verfügen. In der direkten Nachbarschaft sind Qatar Airways und Etihad Airways dabei, wahre Imperien mit grossen Langstreckenflotten und beeindruckenden Drehkreuzen aufzubauen – Emirates operiert in Dubai ohnehin in einer anderen Liga. Gleichzeitig hat Gulf Air wichtige Emirate als Eigner verloren – Abu Dhabi, Qatar und Oman, denn diese wollen nun nur noch ihre eigenen Fluggesellschaften fördern. Verblieben ist nur das weniger reiche und kleine Bahrain.

    Überdies hat sich Gulf Air in ihrer Geschichte nicht eben als Vorbild an Effizienz erwiesen, sondern eher als gross angelegte nationale Arbeitsbeschaffungsorganisation. Als James Hogan CEO wurde, flogen zwar plötzlich Köche in der schwach ausgelasteten Firstclass mit, Effizienz und Pünktlichkeit der Fluggesellschaft liessen weiter zu wünschen übrig.

    Wachsen statt schrumpfen

    Dosé reagierte bei seiner Ankunft, wie er es aus Swiss-Zeiten gewohnt war, mit einem harten Restrukturierungsprogramm, schliesslich hatte Hogan bei Gulf Air nur ein einziges Mal einen Gewinn erwirtschaften können. Doch die europäischen Massstäbe erwiesen sich bei Gulf Air als untauglich – dem Staat Bahrain geht es eher darum, mit einer Airline präsent zu sein, als dass diese primär profitabel sein muss.

    Näf hat dies verinnerlicht und einen Geschäftsplan entworfen, der den Zielen des Landes eher entspricht. Während Dosé die Fluggesellschaft verkleinern wollte, macht Näf nun das genaue Gegenteil. Hohe Treibstoffpreise? Unklare weltwirtschaftliche Aussichten? Schwächelnde Nachfrage in China? Gulf Air will sich deswegen nicht bremsen lassen: Im Januar bestellte die Airline 24 Boeing 787 und kündigte an, weitere 16 Maschinen des Typs leasen zu wollen.

    Bei der internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin setzte sich Näf mit Airbus-Chef Thomas Enders an einen Tisch und unterschrieb einen Kaufvertrag für 30 Flugzeuge, 20 Langstreckenjets vom Typ A330 und 10 A320. Allein die Airbus-Bestellung wird dafür sorgen, dass Gulf Air in den nächsten Jahren die Flotte auf etwa 50 Flugzeuge verdoppeln wird, selbst wenn ältere Jets ausgemustert werden.

    Regionales Streckennetz

    Anders als Qatar Airways und Emirates will sich Näfs Gulf Air aber nicht nur auf die Langstrecken konzentrieren, sondern auch ein regionales Streckennetz entwickeln. Damit steht die Fluggesellschaft aber in direkter Konkurrenz zu Etihad (bei der Vor-Vorgänger von Näf bei Gulf, Hogan, mittlerweile in Diensten steht), die ebenfalls eine Flotte von Mittelstreckenflugzeugen für die Strecken im Nahen Osten anschafft. Näf hat schon damit begonnen, den Flugplan so umzubauen, dass die Jets nun auch wirklich in einem klassischen Wellensystem an- und abfliegen. Damit soll die Zahl der Umsteigemöglichkeiten gesteigert werden. Näf räumt ein, dass Gulf Air immer noch deutlich zu viele Mitarbeiter hat. Er will das Problem vor allem durch Wachstum lösen – zumindest in den Bereichen Verwaltung und Bodendienste, denn neue Piloten und Flugbegleiter muss er in jedem Fall einstellen.

    Näfs Strategie sieht auch vor, möglichst bald einer der drei globalen Allianzen beizutreten. Erste Gespräche hat der Airline-Chef kürzlich am Rande der Jahrestagung der International Air Transport Association in Istanbul geführt, und derzeit scheinen sich Oneworld und Star Alliance als favorisierte Lösungen abzuzeichnen. Doch auch Näf ist klar, dass Gulf Air nach den Turbulenzen der letzten Jahre erst einmal wieder punkten muss mit einer klaren Strategie. Sowohl Oneworld als auch Star hätten noch Nachholbedarf in der Region – sie haben am Golf noch keine Airline von einem Beitritt überzeugen können.

    Und Gewinne? Als Hogan Ende 2006 ging, wäre Gulf Air ohne Hilfe wohl bald Pleite gegangen. Und auch jetzt ist das Unternehmen auf die wohlwollende Unterstützung seines Besitzers angewiesen. Näf sagt, Bahrain erwarte auch Gewinne bei der Airline und sein Businessplan zeige, wann es so weit sein werde. Doch kaum fertiggestellt, muss die Prognose angesichts der derzeitigen Treibstoffpreise wieder korrigiert und das Gewinnziel nach hinten verschoben werden.

    ((info-box))


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