Dienstag, 06. Januar 2009, 04:34:57 Uhr, NZZ Online
map. Vor 18 Jahren revolutionierte Shimano den Schaltungskomfort am Rennrad. «STI Dual Control» ermöglichte es, vom Bremsgriff aus zu schalten, ohne die Hände vom Lenker lösen zu müssen. Das war nicht nur bequem und sicherer, sondern eröffnete den Rennfahrern neue taktische Möglichkeiten. Beim Sprint im Final eines Rennens oder im Wiegetritt am Berg musste man sich nicht mehr zuerst auf den Sattel setzen, um zu schalten. Einziger Kritikpunkt waren die ausladenden Schaltkabel, die von der Innenseite des Bremsgriffs in weitem Bogen an den Rahmen geführt wurden.
Diese gehören nun der Vergangenheit an – bei der neuen elektronischen Variante «Di2» ohnehin, aber auch bei der mechanischen Ausführung der neuen «Dura-Ace»-Gruppe, die im Shimano-Sortiment bleibt. Wie bei der Konkurrenz ist die Schaltmechanik nun ebenfalls im Griffkörper eingebaut. Brems- und Schaltkabel werden am Lenker entlanggeführt – oder eben nicht einmal mehr das. Shimano hat nicht nur das Design radikal verändert, sondern bereits die nächste marktreife Schaltungsgeneration in der Pipeline. «Dura Ace Di2» nennen sich die wie von Geisterhand bewegten Schaltungskomponenten, die noch präziser funktionieren sollen als ihre schon ausgereiften mechanischen Pendants. Bewährt haben sich beide im Renneinsatz – die elektronischen unter anderem an der Tour de France bei den Teams von Rabobank und Gerolsteiner.
Die Stellmotoren in Wechsler und Umwerfer werden von einer kleinen Lithium-Ionen-Batterie gespeist, die einige tausend Schaltintervalle ermöglichen soll. Der Bremshebel ist nicht mehr schwenkbar und bietet neu – das dürfte Menschen mit kurzen Fingern freuen – eine Griffweiteneinstellung, wie man sie am Mountainbike schon lange kennt. Die Gangwechsel werden mittels kleiner Schaltwippen aussen am Griff ausgelöst. Streift die Kette bei schiefer Lage am Zentralschalter, justiert sich dieser automatisch nach. Die Schaltungsdaten werden (auch bei der mechanischen Ausführung) kabellos vom «Flight Deck» empfangen, das den eingelegten Gang anzeigt wie alle üblichen Daten (Geschwindigkeit, Tret- und Pulsfrequenz, Zeit, Gesamt- und Tageskilometer), die man von einem Velo-Computer erwartet.
Bei Shimanos Konkurrenten im Strassen-Segment, Campagnolo und SRAM, hat anderes Vorrang. Campagnolo hat mittlerweile das «Super-Record»-Ensemble auf elf Gänge am Hinterrad aufgestockt und dank dem Einsatz des Verbundwerkstoffs Karbon das Gewicht der kompletten Komponentengruppe auf 1964 Gramm gesenkt. Obschon die Schaltung nun einen Gang mehr besitzt, passt sie auf die bisherige Kassette. Das heisst: Der Abstand zwischen den Ritzeln musste weiter reduziert werden, die filigrane Kette ist nur noch 5,5 Millimeter breit und deshalb wohl kaum haltbarer geworden. Der US-Produzent SRAM mit seinem Dual-Tap-Bedienungskonzept (mit einem Schalthebel wird in die Bewegungsrichtung sowohl hoch- als auch heruntergeschaltet) rühmt sich mit der 1954 Gramm schweren «Red» die leichteste Seriengruppe im Angebot zu haben – auch dank zahlreichen Karbon-Applikationen.
Shimano dagegen bleibt der hochwertigen Aluminiumverarbeitung treu und erzielt damit ein fast ebenso geringes Gewicht (2052 Gramm) und ein faszinierendes Design, das sich deutlich von den Kontrahenten abhebt – nicht nur durch blosse Elektronik.
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