Dienstag, 06. Januar 2009, 01:56:57 Uhr, NZZ Online
W. E. Trotz schwierigem wirtschaftlichem Umfeld, trotz hohen Kraftstoffpreisen und trotz geweckter Sensibilität gegenüber Umweltfragen glaubt Japans Nummer 3 in der Automobilindustrie, die Nissan Motor Company, dass die Nachfrage für schwere Crossover auch in Zukunft gross sein wird. Mit dem speziell für den nordamerikanischen Markt vor 5 Jahren in den USA und 2005 als Nischenprodukt auch in Europa lancierten Murano wurden bisher tatsächlich respektable Verkaufszahlen erreicht. Rund 495 000 Einheiten konnten abgesetzt werden, fast die Hälfte davon in den USA. Ob auch die Modelle der zweiten Generation, die in der Schweiz ab dem 18. Oktober in den Verkauf gelangen, so gefragt sein werden, scheint uns trotzdem fraglich. Denn die Voraussetzungen haben sich verändert. Und das 1,86 Tonnen schwere Fahrzeug mit dem alten, wenn auch überarbeiteten 3,5-l-V6-Benzinmotor als einzigem zur Verfügung stehendem Aggregat glänzt nicht mit umweltfreundlichen Werten. Der vom Werk genannte Verbrauch von 10,9 l ist ein rein theoretischer, der CO ₂ -Ausstoss von 262 g/km ist im Vergleich mit Konkurrenzprodukten hoch, und der Verkaufspreis von 65 200 Franken für die Basisversion ist auch kein Schnäppchen. Für den Schweizer Markt wird mit 200 Einheiten bis Ende Jahr und 700 Einheiten 2009 dennoch zuversichtlich budgetiert. Marketingchef Dino Ceccato rechnet damit, dass das Crossover-Segment – im Unterschied zum klassischen SUV-Segment, das schrumpft – weiterhin leicht wächst.
Der neue Murano unterscheidet sich im Design nur leicht von seinem Vorgänger. Runde, eher weiche Formen sind weiterhin charakteristisch, obschon die Linien etwas prägnanter wirken. Von einem aggressiven Auftritt aber keine Spur. Aufgewertet wurde der Innenraum. Die verwendeten Materialien unterstützen die Absicht, in die Premiumklasse aufzusteigen. Schön verarbeitetes Leder, Alu-Applikationen, 11 statt wie bis jetzt 9 Bose-Lautsprecher, eine Rückfahr- und eine Seitenkamera auf der Beifahrerseite gehören zur luxuriösen Ausstattung. Das grosse Glasdach lässt viel Licht in den Innenraum, so viel, dass es manchmal schwierig ist, die Navigationsdaten vom Bildschirm(chen) abzulesen. Das Ambiente aber stimmt, und Nissan-Vizepräsident Carlos Tavares hat recht, wenn er sagt, der neue Murano qualifiziere sich für die Businessclass.
Das trifft auch für den verbesserten Fahrkomfort zu. Die neue Plattform (wie im Maxima), die Verwendung von steiferem Stahl und eine bessere Aufhängung ermöglichen ein sanftes, aber kontrolliertes Gleiten. Nicht mehr ganz zeitgemäss indes scheint uns der in die Jahre gekommene, vorne quer eingebaute 3,5-l-Benzinmotor mit 256 PS und einem maximalen Drehmoment von 334 Nm bei 4400 Umdrehungen. Gut gefällt dagegen das Allrad-Antriebssystem, das mit den Gier-, Lenkwinkel- und Radschlupfsensoren des elektronischen Stabilitätssystems vernetzt ist. Bedarfsgerecht leitet das System blitzschnell über eine Lamellenkupplung bis zu 50% der Kraft an die Hinterräder. Im Normalbetrieb ist der Murano ein Fronttriebler. Die optimale Traktion mit der neuesten Version der stufenlosen CVT-Automatik ist gewährleistet.
Nebst der Basisversion für 65 200 Franken wird als Crossover-Flaggschiff der Executive für 71 200 Franken angeboten; die Zusatzausstattung umfasst Memory-Funktion für den Fahrersitz, Aussenspiegel und Lenkradeinstellung, Sitzheizung hinten, das Bose-Sound-System, zweiteiliges Glas-Hub-Schiebedach und elektronisch sich bewegende Heckklappe. Eher ein Marketing-Gag ist der «Scratch-me»-Lack, in dem dank besonderer Molekularstruktur feine Kratzer mit heissem Wasser entfernt werden können.
Erfolg hat Nissan mit dem im März vor Jahresfrist lancierten Qashqai. Im Werk in Sunderland (Grossbritannien) wird rund um die Uhr im Dreischichtenbetrieb gearbeitet, um der Nachfrage gerecht zu werden. Jetzt wird das Modell mit dem Qashqai+2 ergänzt, der 21 cm länger und wenige Millimeter höher ist als der normale Fünfplätzer. Das reicht für zwei aufklappbare Notsitze in einer 3. Reihe. Ab der A-Säule wurde der +2 neu gezeichnet, Lenkung und Bremsen wurden angepasst, und der Radstand wurde um 135 mm auf 2675 mm vergrössert. Zu fahren ist der leicht grössere Wagen genauso problemlos wie das kleinere Modell. Gleich blieb auch die Innenausstattung, nur das Glas-Panoramadach ist nun beeindruckende 1400 mm lang, und entsprechend der grösseren Anzahl Passagiere gab es auch etwas mehr praktische Ablagemöglichkeiten. Der Gepäckraum allerdings schmilzt bei Vollbesetzung von maximal 1520 l (mit umgeklappten Rücksitzen der 2. und 3. Sitzreihe) auf 130 l.
Im Angebot stehen ein 2-l-Benziner mit 141 PS und ein 2-l-Diesel mit 150 PS, später sollen noch schwächere Motoren die Palette ergänzen. Drei Ausstattungsvarianten (visia, acenta und tekna) sind im Programm sowie reiner Frontantrieb oder Allradantrieb. Die Preise bewegen sich zwischen 35 300 Franken und 46 150 Franken. Serienmässig wird der Qashqai+2 mit manuellem 6-Gang-Getriebe ausgeliefert, ab der Variante acenta sind für die Fronttriebler auch Automatikgetriebe erhältlich.
Wohl im Bewusstsein, dass der Trend für Volumenmodelle in nächster Zeit eher in Richtung kleinere, im Verbrauch sparsamere Vehikel gehen wird, hat Nissan offenbar weit fortgeschrittene Pläne für ein Crossover, das unter dem Qashqai positioniert sein wird. Vermutlich schon am Salon mondial de l'Automobil in Paris Anfang Oktober wird man von diesem Projekt mehr erfahren.
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