Donnerstag, 21. August 2008, 22:40:56 Uhr, NZZ Online
hag. Der Kampf um die Vorherrschaft im Luxussegment gehört auch für das Triumvirat der deutschen Autobauer – Mercedes, Audi und BMW – zum prestigeträchtigen Kerngeschäft. Dies besonders, weil diese Wagenklasse als Spiegel der globalen Zweiklassengesellschaft vermehrt von den neuen Reichen aus China, Japan, den USA und Russland nachgefragt wird. Da darf man also wieder technisch und designmässig klotzen, ohne aber die obligate Klimadebatte und ihre Implikationen auf die Emissionen auszublenden. Genau nach dieser Formel fährt auch BMW seinen Siebner in die fünfte Generation. Der Launch wird bis zur Publikums-Premiere auf der Pariser Auto-Show im Oktober und zur Anfang 2009 anstehenden Markteinführung entsprechend aufwendig zelebriert. Für BMW-Chef Norbert Reithofer, der das Spektakel um den neuen Siebner letzten Donnerstagabend in München eröffnete, ist aber schon heute klar, dass das neue Flaggschiff der Bayern die ideale Synthese zwischen Fahrdynamik, Luxus, Ästhetik und Effizienz darstellt.
Was die Ästhetik betrifft, darf man ihm zustimmen, zumal nun das umstritten voluminös aufgesetzte Heck des neusten Modells beim Nachfolger einem Abgang mit deutlich mehr Geschmeidigkeit Platz gemacht hat. Auch die Frontansicht des schon in der Kurzversion um zehn Zentimeter edel auf über fünf Meter gestreckten Siebners der fünften Generation strahlt sportliche Eleganz aus – dank den grössten je in einem BMW verbauten Kühler-«Nieren». Was die Effizienz des Neuen betrifft, verspricht BMW für die Dieselvariante 730d einen Mix-Verbrauch von nur wenig über 7 Litern auf 100 Kilometer. Das wäre für ein 245-PS-Kraftpaket von gut 2,5 Tonnen höchst beachtlich, zumal auch der CO 2 -Ausstoss bei akzeptablen 192 Gramm pro Kilometer liegen soll. Ob dies reicht, den BMW-Slogan «Freude am Fahren» zeitgemäss auf «Freude am Sparen» auszubauen, müssen erst die Fahrtests weisen.
Das Diesel-Aggregat jedenfalls dürfte noch länger sparsame Ausnahme bleiben, die Palette der Antriebe reicht standesgemäss weit hinauf. Unten bei den Benzinern steht der 740i, er fährt mit einem Drei-Liter-Reihensechszylinder, der 326 PS bei 450 Newtonmeter (Nm) freisetzt, was dem Wagen im Schnitt bereits fast 10 Liter Benzin abfordert und zu 232 Gramm CO 2 -Ausstoss führt. Im vorläufigen Topmodell 750i werkelt ein V8-Aggregat mit 4,4 Litern Hubraum, 407 PS und 600 Nm. Hier fällt der Tribut mit 11,4 Litern und 266 Gramm CO 2 noch höher aus. Geplant sind zudem ein V12-Motor, aber auch ein Modell mit Hybridantrieb, der in Kooperation mit Mercedes entwickelt wird. Offen ist, ob der Siebner mit Wasserstoff-Aggregat ein Thema bleibt.
Die vielleicht wichtigste Offensive startet der neue Siebner bei den technologischen Fahrhilfen, wobei die BMW-Ingenieure auch aus Fehlern lernten. So wurde etwa dank Totalumbau das umstrittene i-Drive-Fahrhilfe-System deutlich bedienerfreundlicher gestaltet, geschaltet wird zudem wieder auf der Mittelkonsole, und sogar die Sitzverstellung fand ihren logischen Weg zurück an den Sitz. Den Generationswechsel nutzt BMW aber auch zur Einführung neuer Fahrdynamik- und Hilfssysteme. Besonders sicherheitsrelevant dürfte die optional erhältliche Aktivlenkung sein, die in den Steuervorgang auch die Hinterachse aktiv einbezieht. Serienmässig gibt es zudem eine neu entwickelte Dämpfer-Kontrolle und eine Fahrdynamik-Kontrolle, die dem Fahrer per Knopfdruck Beeinflussungen der Fahreigenschaften ermöglichen. Wegweisend ist die Infrarot- und Wärmetechnik, dank der Personen bei Nacht sowie Verkehrsschilder inklusive Tempotafeln erkannt und auf dem Cockpit-Display angezeigt werden. Reagieren auf diese Warnungen muss indes der Fahrer immer noch selbst. Und auch im Internet surfen kann er nur im Stand. Die Presseunterlagen enthielten erstaunlicherweise bereits die Richtpreise in Euro – die Preisspanne des neuen Siebners würde demnach von 69 500 bis 94 000 Euro reichen –, optionale Massage- und Klima-Sitze im Fond noch nicht eingerechnet.
Glatter:
Der Siebner von BMW
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