Dienstag, 06. Januar 2009, 03:30:53 Uhr, NZZ Online
Manchmal verbirgt sich in einem halben Satz eine ganze Tragödie. Zum Beispiel in folgendem Vermerk eines Antiquariatskatalogs: «Ab Band 3 im Selbstverlag erschienen». Da sehen wir den so erfolglosen wie verbissenen Autor förmlich vor uns. Kein Verleger will sich des Ärmsten erbarmen, doch Ehrgeiz und Sendungsbewusstsein veranlassen ihn, die Kosten für Herstellung und Vertrieb seines Werks selbst zu übernehmen.
Bücher, die im Selbstverlag erscheinen, gelten als Publikationen zweiter Klasse und werden deshalb von den Feuilletons in aller Regel ignoriert. Das hat durchaus seinen Grund: Wer sein Werk auf eigene Kosten herausbringt und damit die Qualitätskontrolle durch ein Lektorat umgeht, will sich meist einfach auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit tummeln. Man spricht deshalb neudeutsch auch von «vanity publishing».
Das ist aber nur die eine Seite. Neben der Selbst-Verlegerei aus Eigensucht gibt es auch die aus Bescheidenheit. Sie ist selten, aber es gibt sie. Unlängst habe ich in meiner Post zwei Bändchen mit vermischten Schriften des Fraumünster-Pfarrers Niklaus Peter gefunden. Das eine enthält seine Predigten zur Geschichte Jakobs, das andere eine Reihe kleiner Essays zu christlichen Feiertagen sowie zu den Theologen Johann Peter Hebel, Franz Overbeck, Albert Schweitzer, Karl Barth und Dietrich Bonhoeffer. Es sind luzide Texte, für die sich zweifellos ein Verlag hätte finden lassen.
Niklaus Peter aber hat mit Bedacht gar keinen gesucht, denn wie er in seinem Nachwort schreibt, ist ihm als ehemaligem Leiter des Theologischen Verlags Zürich bewusst, dass das Publikum für solche Sammelbände eher klein, der mit ihnen zusammenhängende Aufwand in einem «normalen» Verlag aber eher gross ist. Oftmals habe er, erinnert sich Peter, deshalb geistlichen Kollegen dergleichen Bücher mit heiligem Eifer ausgeredet und sie auf die Segnungen des Privatdrucks aufmerksam gemacht. Nun wolle er aber nicht Wasser predigen und Wein trinken; deshalb habe er auch für seine eigenen kleinen Schriften die Lösung des Selbstverlags gewählt.
Das ist löblich, nicht nur für einen Pfarrer, und es hat mich daran erinnert, dass ich während meiner dreizehn frohen Jahre als Programmleiter des NZZ-Buchverlags stets einen Merkspruch auf meinem Schreibtisch stehen hatte: «Gott schütze mich vor Sturm und Brand / und vor dem nächsten Sammelband!»
PS: Die klugen und ausgesprochen schönen Bändchen von Niklaus Peter kann man im Fraumünster erwerben oder im Pfarramt bestellen.
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