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  • 1. September 2008, Neue Zürcher Zeitung
    Eurobondmarkt

    Konjunkturflaute inspiriert Bondmärkte

    Konjunkturflaute inspiriert Bondmärkte

    Unternehmens-Emittenten mit Jumbo-Anleihen

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    Die Konjunktur-Eintrübung im europäischen Raum sorgt in Begleitung eines nachlassenden Preisdrucks für gute Perspektiven bei den Staatsanleihen. Am Primärmarkt nutzen zahlreiche Grossunternehmen die Gunst der Stunde für Jumbo-Emissionen in Euro.


    hln. London, 31. August

    Mit den neuesten Wachstumsdaten von beiden Seiten des Atlantiks beginnen Anleger sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass es die Schwäche der US-Wirtschaft ist, die dem Rest der Welt den Weg in die Rezession weist. Auch der Glaube an die relativ hohe Stabilität grosser europäischer Volkswirtschaften, die sich von der aus Amerika herrührenden Kreditmarktkrise abzuschotten wissen, beginnt abzubröckeln. Damit verbunden ist auch eine Neuorientierung an den Devisenmärkten. Nachdem der Dollar zuletzt vor allem wegen einer Rohstoff-Preiskorrektur gegenüber dem Euro zulegen konnte, ist jetzt mit einer Erholung des Dollars zu rechnen, die stärker fundamental abgesichert ist.

    Überraschende Abkoppelung

    Als ein echtes Überraschungsmoment gilt die revidierte Schätzung für das amerikanische Bruttoinlandprodukt im zweiten Quartal, das mit 3,3% ein unerwartet hohes Wachstum ausweist. Dabei trug vor allem die Exportindustrie, die nicht zuletzt von der Wechselkurssituation begünstigt wird, zum Wachstum bei, aber auch der private Konsum und die Staatsausgaben expandierten kräftiger als erwartet. Demgegenüber zeichnet sich in Europa ein zunehmend düsteres Bild ab, ausgehend von der deutschen Volkswirtschaft, wo die Revision der Wachstumsdaten für das zweite Quartal rezessive Tendenzen offenlegt und das Vertrauen in die Wirtschaft auf einem neuen Tiefpunkt angelangt ist. Auch für den europäischen Währungsraum weist das Stimmungsbarometer der EU-Kommission den niedrigsten Wert seit mehr als fünf Jahren aus. Gleichzeitig scheint sich die Teuerungsrate in der Euro-Zone von ihrem bisherigen Rekordniveau von 4% in den Monaten Juni und Juli wieder zu entfernen. Für den August ermittelt die europäische Statistikbehörde einen Durchschnittswert bei 3,8%.

    An den europäischen Staatsanleihenmärkten haben sich die Verschiebungen im Datenkranz entsprechend positiv ausgewirkt. Während des Monats August beispielsweise ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen um 17 Basispunkte auf 4,14% gesunken. Bondmarkt-Analytiker bei der Commerzbank sprechen von einem fundamental günstigen Klima für Obligationen, zumal erwartet wird, dass sich die konjunkturelle Schwächephase in den kommenden Monaten weiter dämpfend auf die Preise auswirken wird. Bis Ende September rechnen sie mit einem weiteren Rückgang der Zehnjahres-Rendite auf 4%.

    Obwohl im Rat der Europäischen Zentralbank ein erstes Nachlassen des Preisdrucks noch als Gelegenheit für ein rasches geldpolitisches Revirement gesehen wird, spürt man eine Tendenzverschiebung, die sich nicht zuletzt an konzilianteren Tönen seitens des EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet festmachen lässt. Nachdem die EZB noch im Juli den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25% erhöht hatte, scheint nun festzustehen, dass dies in der näheren Zukunft die letzte aufwärtsgerichtete Bewegung im Zyklus war. So rechnen Analytiker für den Jahresbeginn 2009, möglicherweise aber auch schon für den Spätherbst dieses Jahres mit einer ersten von mehreren Leitzinssenkungen der EZB.

    Emittenten beenden Sommerflaute

    Der Abwärtstrend der Staatsanleihen-Renditen im europäischen Raum hat auch am Primärmarkt seine Wirkung nicht verfehlt. Europäische Grossunternehmen, die sich nicht nur während des Sommerlochs, sondern bereits in den Vormonaten stark zurückgehalten haben, scheinen nun den aufgestauten Refinanzierungsbedarf decken zu wollen. Während die jüngste Renditeentwicklung die gesamten Refinanzierungskosten begünstigt, sehen sich die Unternehmens-Emittenten – was ihre Risikoprämien beziehungsweise den relativen Renditeabstand zu Staatsanleihen angeht – weniger günstigen Konditionen ausgesetzt. Allerdings fürchten zahlreiche auf eine Mittelbeschaffung angewiesene Adressen, dass sich die Bedingungen im Zuge eines verstärkten Andrangs von Emittenten im September tendenziell verschlechtern beziehungsweise Verstopfungserscheinungen am Primärmarkt entstehen. Dies dürfte dann auch der Grund dafür gewesen sein, dass eine Reihe prominenter Namen wie Daimler-Benz, General Electric, Philip Morris, E.On und EdF bereits in der letzten Augustwoche aus den Startlöchern kamen. Insbesondere Daimler-Benz liess sich von einer relativ hohen Neuemissions-Prämie, die Händler bei 25 bis 30 Basispunkten abstecken, nicht bremsen und sammelte 2,25 Mrd. €, verteilt auf drei- und siebenjährige Laufzeiten, ein. Besonders gesucht war die dreijährige Tranche über 1,5 Mrd. € mit einem 5,875%-Coupon, hinzu kamen 750 Mio. € über sieben Jahre, die 6,125% verbriefen. Zuvor hatte sich der US-Konzern Philip Morris über insgesamt 1,75 Mrd. € in demselben Laufzeitenspektrum eingedeckt. Daneben sah man eine grössere Begebung des deutschen Versorgers E.On, der ebenfalls drei- und siebenjährige Tranchen wählte. So wurden 750 Mio. € in der kürzeren Frist mit einem glatten 5%-Coupon angeboten und weitere 1,25 Mrd. € über sieben Jahre zu 5,25% verzinst.

    Förderbanken bevorzugen den Dollar

    Zwei Emittenten wählten die in letzter Zeit weniger frequentierte zehnjährige Laufzeit. Die RTE EdF Transport, eine Tochter des staatlich kontrollierten französischen Versorgers EdF, bot 5,125% für eine 1 Mrd. € schwere Begebung. GE Capital stattete ihre 1 Mrd. $ schwere Festverzinsliche mit 6% aus und flankierte dies mit einer dreijährigen Floating-Rate-Note im Umfang von 500 Mio. € mit 70 Basispunkten Aufschlag zum dreimonatigen Interbankensatz Euribor. Im Dollarmarkt sah man vor allem Förderbanken günstige Bedingungen am Swapmarkt nutzen. Die Europäische Investitionsbank EIB nahm die hohe Nachfrage nach Kurzläufern bei asiatischen Zentralbanken zum Anlass, einen dreijährigen Global Bond gleich über 4 Mrd. $ auszulegen. Danach wich die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) lieber auf die fünfjährige Laufzeit aus und konnte dort bequem 1,25 Mrd. $ mit einem Coupon von 5,625% unterbringen.

     


    . Lesen Sie mehr zum Thema Artikelserie: Der Eurobondmarkt
    Link: http://www.nzz.ch/finanzen/obligationen/eurobondbericht_2.45028

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