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  • 21. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Südafrikas Wirtschaft trotzt dem Abwärtstrend

    Südafrikas Wirtschaft trotzt dem Abwärtstrend

    4,9 Prozent Wachstum im zweiten Quartal

    Ein langer Arbeitstag geht zu Ende: Südafrikas Wirtschaft wächst stärker als erwartet. Ein langer Arbeitstag geht zu Ende: Südafrikas Wirtschaft wächst stärker als erwartet. (Bild: Reuters)
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    Die südafrikanische Wirtschaft ist im zweiten Quartal stärker gewachsen als erwartet. Vor allem die verarbeitende Industrie und der Bergbau entwickelten sich über Erwarten gut.


    jpk. Kapstadt, 20. August

    Die südafrikanische Wirtschaft, die in den vergangenen Monaten immer wieder mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht hatte, ist besser in Form, als allgemein vermutet worden war. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft im Vergleich zum Vorquartal um 4,9%, was deutlich über den Erwartungen lag. Getragen wurde der Wachstumsschub vor allem von einer überraschend guten Entwicklung bei der verarbeitenden Industrie und im Bergbausektor. Die verarbeitende Industrie konnte einen Zuwachs von 14,5% und der Bergbau gar von 15,6% verzeichnen, wie Statistics SA mitteilte. Die eindrücklichen Wachstumsraten waren allerdings zumindest zum Teil auf ein unterdurchschnittliches Wachstum im ersten Quartal (2,1%) zurückzuführen, dessen Zurückbleiben vor allem in Problemen bei der Elektrizitätsversorgung im Januar und den frühen Osterfeiertagen begründet lag.

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    4,5 Prozent im Jahresvergleich

    Dass die erfreulichen Zahlen aber nicht nur auf die schlechten Ergebnisse des ersten Quartals zurückzuführen sind, zeigt sich an der Tatsache, dass das Wachstum auch im Vergleich mit dem entsprechenden Vorjahresquartal noch 4,5% erreichte. Die 4,5 % liegen zwar unter den in den vergangenen Jahren erzielten Wachstumsraten, könnten aber darauf hindeuten, dass die Verlangsamung des Wachstums für das ganze Jahr vielleicht doch nicht so stark ausfällt , wie dies zu Jahresbe g inn von den meisten Analytikern noch erwartet worden war. Im Allgemeinen war mit einem Rückgang von 5,1% (2007) auf noch 3% bis 3,5% gerechnet worden, nur Finanzminister Trevor Manuel zeigte sich optimistisch und postulierte 4%.

    Die beeindruckende Entwicklung im Bergbau und bei der verarbeitenden Industrie war zum einen auf die höhere Zahl von Arbeitstagen und die Normalisierung bei der Energieversorgung zurückzuführen, zum andern aber auch auf die anhaltende Rand-Schwäche, welche südafrikanische Güter und Rohstoffe auf den internationalen Märkten wieder konkurrenzfähiger machte. Die südafrikanische Währung hat im ersten Halbjahr im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen um bis 20% an Wert eingebüsst. In den vergangenen Wochen tendierte sie zwar wieder etwas stärker, aber die Erholung könnte angesichts des anhaltend hohen Leistungsbilanzdefizits nur von kurzer Dauer sein. Auch der letztwöchige Entscheid der Notenbank gegen eine Erhöhung der Leitzinsen dürfte die Attraktivität der der Währung schmälern.

    Sorgen bereitet den Analytikern allerdings das schwache Abschneiden des Detailhandels und der Hotellerie im zweiten Quartal. Der Sektor entwickelte sich mit – 2,2% erstmals seit dem dritten Quartal 2001 negativ. Auch der Sektor für Finanzdienstleistungen konnte nur noch ein Wachstum von 2,3 (i. V. 4,9)% verzeichnen. Und eine unbefriedigende Entwicklung musste schliesslich auch im Bausektor hingenommen werden, dessen Wachstum im Quartalsvergleich auf 10,6 (14,9)% zurückging. Da der private Konsum und der Bausektor zu den tragenden Elementen des starken wirtschaftlichen Wachstums im letzten Jahr gezählt hatten, wird diese Entwicklung mit wachsender Besorgnis verfolgt.

    Folgen der Leitzinserhöhungen

    Der Rückgang beim privaten Konsum wird vor allem auf die Erhöhung der Leitzinsen um insgesamt 500 Basispunkte – auf derzeit 12% – in den vergangenen beiden Jahren zurückgeführt. Die Notenbank hatte dies zur Eindämmung der Inflation verordnet. Die Inflation konnte wegen der stark gestiegenen Energie- und Nahrungsmittelpreise bis jetzt allerdings trotzdem nicht unter Kontrolle gebracht werden. Mit 11,6% liegt die Inflationsrate immer noch weit ausserhalb der von der Notenbank als akzeptabel erachteten Bandbreite von 3% bis 6%. Allerdings besteht die Hoffnung, dass der derzeitige Rückgang des Erdölpreises und die bisherigen Schritte der Nationalbank ausreichen werden, um die Inflationsrate in den nächsten Monaten wieder sinken zu lassen, so dass ab Anfang nächsten Jahres die Leitzinsen auch wieder sinken könnten.

    Gehofft wird zudem, dass die Abkühlung im Bausektor durch die grossen Infrastrukturprojekte der südafrikanischen Regierung in den nächsten Jahren zumindest teilweise wieder aufgefangen werden kann. Die Regierung in Pretoria will in den kommenden Jahren insgesamt 500 Mrd. Rd. ausgeben, um Strassennetz, Elektrizitätsversorgung und die Infrastruktur der Städte zu verbessern. Nur ein Bruchteil dieser Mittel soll auf die Vorbereitungsarbeiten für die Fussball-WM 2010 verwendet werden, der grösste Teil der Ausgaben ist für langfristigere Projekte vorgesehen.

     


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