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  • 21. August 2008, Neue Zürcher Zeitung

    Japans Banken drängen ins Ausland

    Japans Banken drängen ins Ausland

    Beteiligungen in den USA und in Grossbritannien

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    Die japanischen Banken haben die Wirren der Subprime-Krise bisher relativ unbeschadet überstanden. Sie nutzen ihre Stärke, um international Boden zu gewinnen. Jüngstes Beispiel ist die geplante Übernahme der amerikanischen Union Bank of California.


    pwe. Tokio, 20. August

    Vor rund dreissig Jahren gehörten die japanischen Banken zu den grössten der Welt. Die Robustheit der heimischen Wirtschaft stärkte die Finanzhäuser, und sie waren international als Kapitalgeber gefragt. Wenige Jahre später platzte die durch eine zu expansive Geldpolitik kreierte Seifenblase an der Börse und am Immobilienmarkt. Japan fiel in ein Jahrzehnt der wirtschaftlichen Depression, die Banken taumelten zunehmend unter der Last fauler werdender Kredite. Die Auslandsengagements wurden weitgehend verkauft. Es folgte die Konsolidierung des Bankensektors durch Grossfusionen unter staatlichem Kapitalbeistand. Diese düsteren Jahre haben die Finanzhäuser hinter sich gelassen. Die Finanzhilfen des Staates sind zurückgezahlt und die Kreditportfolios durchgefegt. Nun drängen die japanischen Grossbanken wieder ins Ausland, als Kreditgeber und als Investoren.

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    Bescheidener als in den achtziger Jahren

    Jüngstes Beispiel ist die geplante vollständige Übernahme der amerikanischen Union Bank of California (UnionBanCal) durch Mitsubishi UFJ Financial Group. Für die noch nicht in seinem Besitz befindlichen rund 35% der Aktien bietet der japanische Marktführer rund 3,5 Mrd. $ in bar. Mitsubishi UFJ folgte damit den beiden grossen Konkurrenten auf dem Heimatmarkt. Im Juni hatte die nach der Marktkapitalisierung zweitgrösste Bank Japans, Sumitomo Mitsui Financial Group, beschlossen, sich mit rund 909 Mio. $ an der britischen Bank Barclays zu beteiligen, was einem Anteil von etwa 2% entspricht. Die Mizuho Financial Group hat in diesem Jahr 1,3 Mrd. $ in die Investmentbank Merrill Lynch investiert.

    Der neuerliche Drang ins Ausland hat bei weitem nicht das Ausmass der achtziger Jahre, aber es zeugt von einem grossen Interesse. Japans Banken spielt in die Hände, dass sie aus den Wirren der Subprime-Krise bisher relativ unbeschadet hervorgingen. Mit Ausnahme von Sumitomo Mitsui sind ihre Gewinne seit dem vergangenen Sommer geschrumpft, besonders stark bei Mizuho, die über die Tochtergesellschaft Mizuho Securities aggressiv in amerikanische verbriefte Schuldverschreibungen investiert war. Mizuho hatte 2006 eine amerikanische Lizenz erhalten und wollte diesen Vorteil vor den heimischen Mitbewerbern ausspielen. Die Belastungen sind aber im Vergleich zu denen amerikanischer und europäischer Finanzhäuser gering. Nach einer Rechnung der Wirtschaftszeitung «Nikkei» summierten sich die Subprime-Verluste für alle japanischen Banken, Wertpapierhäuser und Versicherungen zum 30. Juni auf etwas mehr als 18,4 Mrd. $. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die drei Grossbanken, rund ein Drittel allein auf Mizuho. Amerikanische Banken wie Merrill Lynch oder Citicorp haben indes jede für sich mehr als 30 Mrd. $ wertberichtigt.

    Die neu gewonnene relative Stärke nutzen Japans Grossbanken nun, um international ein wenig Boden zu gewinnen. Dabei gehen sie mit ihren jüngsten Einkäufen unterschiedliche Wege: Während Mizuho die Investition in Merrill Lynch als reine Finanzanlage sieht, will Sumitomo Mitsui über die Finanzhilfe hinaus mit Barclays gemeinsame Vorteile etwa im Asiengeschäft suchen. Wie dieses neue Beziehung sich auf das langjährige Verhältnis zur Investmentbank Goldman Sachs auswirkt, die seit 2003 Vorzugsaktien von Sumitomo Mitsui hält, ist offen.

    Riskanter Zukauf

    In der Grösse strategisch am überzeugendsten, zugleich am riskantesten und am rätselhaftesten erscheint der geplante Zukauf von 35% der UnionBanCal durch Mitsubishi UFJ, die mit einem Anteil von 65% die Bank schon jetzt in der Bilanz konsolidierte. Die UnionBanCal gehört nach der Kapitalsumme zu den 25 grössten Banken in den USA, sie hat 337 Filialen in Kalifornien, Oregon und Washington. Von der Subprime-Krise ist sie bis jetzt kaum betroffen. Analytiker vermuten, dass der komplette Besitz der Bank für Mitsubishi UFJ die Basis darstellen soll, von der aus weitere Zukäufe in Amerika möglich werden. Die Bank selbst hatte das Angebot als «ersten Schritt» ihrer Amerika-Strategie bezeichnet. Mitsubishi UFJ fokussierte in den vergangenen Jahren wie die beiden Konkurrenten zudem durch Zukäufe und Beteiligungen stark auf das Asiengeschäft.

    Dank ihrer relativen Stärke sind die drei japanischen Grossbanken nach Angaben von Thompson Reuters im ersten Halbjahr international unter die ersten zehn Banken aufgerückt, die syndizierte Grosskredite eingefädelt und unterzeichnet haben. Die japanischen Finanzhäuser, die bis anhin nur einen sehr geringen Teil ihrer Gewinne im Ausland erzielen, halten dieses Geschäft angesichts der Schwäche der internationalen Konkurrenz noch für einige Jahre für zukunftsträchtig. Im Zeitraum von April bis Juni legte ihr Kreditvolumen im Ausland um 16% zu; Sumitomo Mitsui hat seit 2006 seine Auslandskredite um mehr als 50% gesteigert. Dieses Geschäft hat sich bei allen drei Banken im ersten Quartal als der einzige Lichtblick erwiesen, denn das Geschäft im Heimatmarkt liegt als Folge der Wachstumsschwäche darnieder. Die steigende Zahl an Konkursen belastet das Kreditgeschäft im Inland; das Volumen der faulen Kredite steigt, liegt aber weit unter dem Ausmass früherer Schreckensjahre. Die niedrigen Zinsen verhindern eine höhere Zinsmarge. Das Konsumkreditgeschäft litt zuletzt ebenso wie der Verkauf von Anlagefonds unter schärferen Regulierungen. Japans Grossbanken suchen im Ausland eben nicht nur willentlich Chancen, sie werden durch die Inlandschwäche auch dazu getrieben.


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