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  • 21. November 2008, 21:38, NZZ Online

    Ist ein UBS-Konkurs möglich?

    Ist ein UBS-Konkurs möglich?

    Finanzexperte Martin Janssen zu Szenarien für die Schweizer Grossbank

    Finanzexperte Martin Janssen: «Von fast allen grossen Banken, auch von der UBS, wird behauptet, sie seien Übernahmekandidaten». Finanzexperte Martin Janssen: «Von fast allen grossen Banken, auch von der UBS, wird behauptet, sie seien Übernahmekandidaten». (Bild: PD)
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    Der Aktienkurs der UBS ist auf historisch tiefem Niveau und Fragen werden laut, ob die Bank denn überleben kann. Ist ein Konkurs überhaupt möglich und was würde dieser für die Schweiz bedeuten? Professor Martin Janssen nimmt Stellung zu möglichen Szenarien.

    Von Zoé Baches und Thomas Schürpf

    NZZ Online: Herr Janssen, besteht die Möglichkeit, dass die UBS Konkurs anmelden muss?

    Martin Janssen*: Zuerst eine Vorbemerkung: Es ist für einen Aussenstehenden schwierig, sich eine Meinung zu solchen komplexen Fragen zu bilden. Von aussen mag vieles einfacher erscheinen, als es wirklich ist. Es ist gut zu wissen, dass in der UBS sehr erfahrene und gut ausgebildete Leute arbeiten, die sich heute der wirklichen Probleme und ihrer Verantwortung bewusst sind.

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    Zu Ihrer Frage: Theoretisch ist vieles vorstellbar; faktisch halte ich das für ausgeschlossen. Es ist davon auszugehen, dass selbst im Falle eines Konkurses, was immer das genau heisst, die Kerntätigkeiten der UBS nicht eingestellt würden. Kurz: Die UBS mag in der Zukunft andere Strukturen und andere Eigentümer haben, die wesentlichen Tätigkeiten bleiben bestehen. Kritisch sind hingegen die Zeitverhältnisse, solche Änderungen durchzuführen. 

     

    Was würde ein Konkurs der Grossbank für die Schweiz bedeuten?

    Die Vorstellung, die organisatorischen Einheiten der UBS könnte ihre weitreichenden Dienstleistungen für andere Banken nicht mehr erbringen, keine Zahlungen für Klein- und Mittelunternehmen mehr leisten oder keine grossen Vermögen mehr verwalten, halte ich für abwegig. Ich gehe davon aus, dass entweder die Bank selber oder mindestens die Bankenaufsicht dafür sorgt, dass mögliche Kontrollwechsel rechtzeitig analysiert, vorbereitet und eingeleitet wurden respektive werden, wenn es die Umstände verlangen.

    Ist die UBS beim derzeitigen Aktienkurs ein Übernahmekandidat?

    Zu behaupten, die UBS sei ein Übernahmekandidat, heisst, dass ein neuer oder ein bestehender Eigentümer ein grosses Paket von beispielsweise 30% erwirbt und – ganz wichtig – einen entsprechenden Einfluss auf die Geschäftsleitung ausübt. Das macht ein potenzieller Eigentümer aber nur, wenn er genau weiss, was er in der heutigen konkreten Situation der UBS in zentralen Bereichen anders und besser machen würde und dass er die vorhandenen Risiken genügend gut abschätzen kann. Dass auch die anderen Banken mit der heutigen Situation nicht gut umgehen können, zeigt ein Blick auf deren Aktienkursentwicklung und auf die Risikoprämien. Ich glaube deshalb nicht, dass sich eine Bank heute ein Problem in dieser Dimension aufladen möchte. Die UBS ist meines Erachtens deshalb heute nicht mehr und nicht weniger ein Übernahmekandidat als vor ein paar Wochen, als der Kurs noch doppelt so hoch war.

    Gibt es überhaupt jemanden, der die Grossbank übernehmen könnte?

    Heute wird von fast allen grossen Banken, auch von der UBS, behauptet, sie seien Übernahmekandidaten. Es werden Käufernamen wie HSBC, Santander, BNP Paribas, JP Morgan und andere genannt. Das erscheint mir im Falle der UBS, die weiterhin die grösste Vermögensverwaltungsbank der Welt ist, jedoch nicht ein realistisches Szenario. Wenn man die UBS übernimmt, müsste man auch die Gesamtheit der Probleme übernehmen, mit denen sich die Bank im Moment auseinander setzen muss. Realistischer erscheint mir ein Verkauf von Teilen der Bank. Dann werden die Probleme vermutlich einfacher handhabbar. Ich wünsche mir, dass mindestens das gesamte Schweizer Geschäft und einzelne Teile des weltweiten Vermögensverwaltungsgeschäfts weiterhin unter dem Namen oder UBS angeboten werden.  

     

    * Martin Janssen ist Professor für Finanzmarkttheorie am Swiss Banking Institute der Universität Zürich und Leiter der Ecofin-Gruppe.

     

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